• 2. Geographische und begriffliche Abgrenzung des Gebiets
  • 3. Bedeutung der erzgebirgischen Bergbauregion für Mitteleuropa
  • 4. Auswahl der Objekte und Beurteilung des Gebiets nach den Projektkriterien
  • 5. Aufbewahrung und Herkunft der Quellen zum Bergbau im böhmischen Erzgebirge
  • 6. Gemeinsamkeiten der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung auf beiden Seiten des Erzgebirges
  • 7. Einbeziehung von Partnern in die Arbeit am Projekt
  • 8. Ergebnis der Beurteilung und Empfehlungen
  • Anlagen
  • 3.1 Kurzer Abriß der Entwicklung

    Die Gebiete am Fuße des Erzgebirges im Bereich der Flüsse Ohøe und Bílina waren schon vom Neolithikum an besiedelt. Zu Beginn der Entstehung eines tschechischen Staats breitet sich hier zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert eine slawische Besiedlung aus. Sie zog sich auch in die Ausläufer der Gebirgstäler hinauf, insbesondere dort, wo Wege über das Gebirge bis ins Meißnerische führten. Wahrscheinlich baute man schon in so früher Zeit im Gebirge und in den davorliegenden Gebieten Eisenerz und Buntmetallerze ab, dabei insbesondere Zinn und Kupfer.


    Abb.: Historische Darstellung der Erzförderung

    Im 13. und 14. Jahrhundert kam es zu einem weiteren intensiven Aufschwung der Besiedlung des vorerzgebirgischen Beckens durch Einwanderer aus deutschen Gebieten. Gleichlaufend mit der Erweiterung des Netzes von Städten und Dörfern bewegte sich die Grenze der Besiedlung weiter in die höheren Regionen des Gebirges hinauf. Das Wachstum der Bevölkerung rief einen steigenden Bedarf an Gebrauchsgütern hervor, wodurch wiederum der Bedarf an einheimischen Metallen wuchs. Aus Veränderungen im Zahlungssystem resultierte ein steigender Bedarf an Münzmetall. Anfangs baute man leichtverhüttbare Erze aus tagesnahen Lagerstätten und Zinnseifen durch Auswaschen von Schwemmsanden ab (z. B. in Krupka und Krásno im Gebiet des Slavkovský les). Vom 13. Jahrhundert an suchte man Lagerstätten in höheren Lagen des Gebirges und begann mit dem Abbau von Erzen der polymetallischen Fazies. Den Anstoß dazu gab die Kunde von reichen Silbererzfunden im sächsischen Freiberg. Im Zusammenhang mit der Ausbeutung des mineralogischen Reichtums des Erzgebirges erstarkte die Herrschaft der Pøemysliden vor allem in den angrenzenden Ländereien (besonders die der Hrabischitzer mit ihrem bedeutenden Einfluß im Vorerzgebirge und im Gebiet des Slavkovský les), die der Klöster (Zisterzienserkloster Osek, Prämonstratenserkloster Teplá) und die wirtschaftliche Kraft der Städte.


    Mit der Entwicklung des Bergbaus einher ging die Entwicklung des Hüttenwesens und der weiterverarbeitenden Zweige (Hammerwerke, Handwerk). In Böhmen baute man außer in den erzgebirgischen Revieren sowie im angrenzenden Gebiet des Slavkovský les, in der Umgebung von Støíbro, Jihlava, Pøíbram, Jílové und Kutná Hora Erze ab. Das brachte mit sich, dass es im Verlauf der Entwicklung des Bergbaus und des gesamten Bergwesens zu einem intensiven Austausch von Wissen und Erfahrungen sowie zum Transfer der benötigten Technologien zwischen den Revieren in Sachsen, Tirol, der Slowakei und Böhmens kam. An den Bergbauunternehmen beteiligten sich auch ausländische Grubenbesitzer. Dazu begannen sich auch bekannte Handelshäuser vor allem aus Süddeutschland, dabei insbesonders aus dem Raum Nürnberg und Augsburg, finanziell zu beteiligen. Auf sie konzentrierte sich vom 14. Jahrhundert an der Handel mit böhmischem Zinn, Silber, Kupfer und anderen Metallen. Handelshäuser aus Sachsen waren daran nicht beteiligt. Zur Vorfinanzierung von Investitionen und Betriebskosten waren freie finanzielle Mittel erforderlich, die es in Böhmen nicht zur Genüge gab. Die Montanunternehmen initiierten somit das Interesse an einer wirtschaftlichen Verknüpfung in europäischem Maßstab.

    Ab Mitte des 15. Jahrhunderts wurden die sogenannten Prospektoren, die auf der Suche nach Erzen immer weiter in Gebirgsregionen vordrangen, immer erfolgreicher. Der Nachweis immer neuer und ergiebigerer Lagerstätten löste ein regelrechtes "zweites Berggeschrei" aus, eine zweite Welle der Erschließung der Region durch den Bergbau. Es kam vor allem zu einer schnellen Entwicklung des Silbererzabbaus, aber auch des Abbaus anderer Buntmetalle, die im 16. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte. Die Kammregion wurde besiedelt. Im Zuge dieser Entwicklung wurden zahlreiche neue Bergstädte, Dörfer und Siedlungen gegründet. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erlebte Jáchymov eine außergewöhnliche Blütezeit. Silber wurde Münzmetall und damit durch das sogenannte königliche Münzregal zur Haupteinnahmequelle der damaligen Herrschaft. Es profitierten davon auch der Adel und die Städte, die dazu noch weitere Erträge aus der Gewinnung der übrigen Metalle erzielten. Die Erträge aus der erfolgreichen Erzgewinnung ermöglichten neue Erfindungen und die Vervollkommnung der Technik, vor allem die Entwicklung neuer Prägeverfahren, Verfahren zur Entwässerung, zur intensiven Nutzung der Wasserkraft als Energiequelle für Kunstgezeuge, zur Bewetterung, zur Herstellung von Holzkohle und für neue Transportwege und Transportmittel.

    Im 17. Jahrhundert erfuhr der Erzbergbau einen Niedergang. Gründe dafür waren technische Schwierigkeiten, die sich beim Abbau in immer größerer Tiefe einstellten und selbstverständlich der Dreißigjährige Krieg, der einen lang anhaltenden wirtschaftlichen Rückschlag mit sich brachte. Auch die totale Rekatholisierung der Bevölkerung /im Zuge der Gegenreformation/ wirkte sich aus. Die Auswanderung von Exulanten nach Sachsen führte auf jener Seite zur Gründung neuer Ortschaften in unmittelbarer Nähe der Grenze. Das war eine weitere historische Zäsur in der Kammregion. Das 18. Jahrhundert stand im Zeichen von Anstrengungen zur Verbesserung des Erzabbaus und der Erzaufbereitung. Aber trotz steuerlicher Entlastung der Bergbauunternehmen und der Bergstätte von Seiten der böhmischen Obrigkeit her gelang das nur teilweise. Der Umfang der Erzförderung konnte nicht wieder an die Blütezeit im 16. Jahrhundert herangeführt werden. Es fehlte in der Region an privaten Mitteln für Investitionen und zum Vorhalten von Betriebskosten. So mußten die Unternehmen ausländischem Kapital den Zutritt gewähren.

    Im 19. Jahrhundert wurde die Mehrzahl der Erzbergwerke geschlossen, erhielten sich geradeso noch selbst oder schlossen sich Eisenerzgruben an, vornehmlich im Raum Chomutov. Von der zweiten Hälfte das 19. Jahrhunderts an kam es zur Stagnation der Eisenindustrie im böhmischen Teil des Erzgebirges. Sie beschränkte sich nur noch auf vereinzelte, handwerklich betriebene Produktion. Die kleinen Hütten- und Hammerwerke gingen ein, weil verstärkt neue Hüttenwerke in Sachsen und im böhmischen Vorerzgebirge die Produktion übernahmen. Dort ersetzte man die Holzkohle durch Koks. Die Weltwirtschaftskrise tat ihr übriges.

    Im 20. Jahrhundert behielt der Abbau von Silber und Kupfer noch Bedeutung. Dazu wurde sogar der Abbau von Eisenerzen und Zinn fortgesetzt. Letzterer wurde 1991 eingestellt. Der Abbau in Medìnec wurde 1992 eingestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich auf beiden Seiten der Grenze im Erzgebirge ein umfangreicher Uranerzbergbau. Auf böhmischer Seite betraf das vor allem die Gegend um Jáchymov. Er wurde hier 1970 eingestellt.