Die große Mehrzahl der Kultur- und Naturdenkmale, die die Landschaft im Sächsisch-böhmischen Erzgebirge prägen, kommen aus dem Bergbau- und Hüttenwesen und den damit verbundenen Zweigen. Eine weitere Gruppe von Denkmalen zeugen von dem, was sich im Zusammenhang mit dem Rückgang des Bergbaus und des Hüttenwesens entwickelt hat. Das geht von der Herstellung von Spielzeug über die Spitzenklöppelei, Postamenten- und Handschuhwirkerei, Musikinstrumentenbau bis hin zur Verarbeitung von Seefisch zu Konserven.
Die erzgebirgische Landschaft dokumentiert die historische Kontinuität der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung fast des gesamten vergangenen Jahrtausends. Dadurch reiht es sich in die Anzahl bedeutender europäischer Regionen ein. Das alles ist belegbar mit Beispielen von weltlichen und sakralen Bauten, Flächendenkmalen, Siedlungsstätten und Vorkommen in der Natur. Das macht diese besondere Kulturlandschaft aus. Alles wird ergänzt durch den reichen Fundus außerordentlichen wissenschaftlich-technischen und künstlerischen Schaffens, durch Dinge des täglichen Bedarfs und immaterielle Denkmale.
Das Ziel besteht darin, den gesamten Komplex von Erhaltenswertem in seiner gegenseitigen Bedingtheit zu erhalten und darzustellen. Aus der Vielzahl von unbeweglichen und beweglichen Denkmalen, die bereits unter staatlichem Schutz stehen, werden nach den vorgegebenen Kriterien charakteristische und geeignete Denkmale ausgewählt, mit denen der Fundus der sächsischen Seite ergänzt wird. Das alles steht unter dem Motto, grenzüberschreitend historische Abhängigkeiten, Beziehungen und Verbindungen zu präsentieren.
Die tschechische Seite, vertreten durch die Bezirke Ústí nad Labem und Karlovy Vary und durch die Euroregionen Kru¹nohoøí, Egrensis und Labe, stimmt durch den Bezirk Ústí n.L. und die Euroregionen Kru¹nohoøí und Labe dem Antrag der deutschen Seite zur Einreichung ausgewählter Denkmale im deutschen und tschechischen Erzgebirge in die Weltkulturerbeliste zu, der im Abschlußbericht zur Machbarkeitsstudie von 2001 zusammengefaßt worden ist.

Die sächsische Studie hat deutliche herausgearbeitet, dass wissenschaftliche und technische Tätigkeit und die Arbeit auf dem Gebiet des Bergbaus und der ihm folgenden Aufbereitung der Erze sowie der Metallverarbeitung oft internationale Züge und Bedeutung hatte. Dieser Fakt bestätigt abermals die Berechtigung zur Erarbeitung dieses Projekts in Richtung Aufnahme in die Weltkulturerbeliste.
Bedeutend ist auch die Entstehung und Entwicklung von montantechnischen Bildungseinrichtungen im Erzgebirge von Beginn an. Die erste staatliche Bergbauschule wurde 1716 in Jáchymov gegründet. Erstmals in der Welt wurde 1763 die Ausbildung von Metallurgen begonnen. Dessen kann sich die Karlsuniversität in Prag rühmen (Academica Matallurgica /gegründet von Peithner, *1727 in Bo¾í Dar, † in 1792 Wien/). Eine "Bergakademie" war 1849 in Pøíbram gegründet worden. Sie wurde später zur Hochschule für Bergbau. Nach 1945 wurde sie nach Ostrava verlegt in das Zentrum der Berg- und Hüttenindustrie der Tschechoslowakei. Auf der Grundlage einer neuen interdisziplinären Ausrichtung wurde daraus 1999 die Technische Universität Ostrava. Diese Universität unterhält eine bedeutende Zweigstelle für die Ausbildung in den Fachrichtungen Bergbau und Geologie in der Stadt Most. Zusammenfassend ist festzustellen, das der Bergbau und das Hüttenwesen einen entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der Städte, des Staatswesens, auf Wissenschaft und Technik sowie Handel, Handwerk, und Gewerbe ausgeübt hat.
Die Erzförderung wurde im Erzgebirge 1992 entgültig eingestellt. Nachfolgeunternehmen führen aber seither Sanierungs- und Rekultivierungsarbeiten aus. Sie sind aus den liquidierten Unternehmen des Bergbaus heraus gegründet worden. Damit öffnen sich neue Wege, das Erzgebirge wiederzubeleben und an die früheren Traditionen anzuknöpfen.
Eine starke Seite der Montanregion stellt ihre Kulturlandschaft dar, die aus ihrer mehr als 800 Jahre alten Bergbau- und Hüttengeschichte erwachsen ist. In der Landschaft gibt es natürliche Schönheiten, es gibt Siedlungen, Flächen- und Einzeldenkmale und gesellschaftliche Bedingungen und Beziehungen, die für diese Region charakteristisch sind und die sie von anderen europäischen Gebieten unterscheiden. Einen außerordentlich hohen Wert birgt die einmalige Verbindung zwischen erhaltenen Denkmalen und dem Einfluß vergangener Epochen auf Wirtschaft, Kultur, Technik, Wissenschaft, Kunst und die administrative Entwicklung der Gesellschaft und der Region in sich. Das Gebiet der Montanregion ist deshalb nicht nur eine Landschaft mit bedeutenden Zeugen aus der Vergangenheit, deren Entwicklung abgeschlossen ist, sondern sie ist statt dessen ein Gebiet, das auf seine historische Entwicklung seine gegenwärtige wirtschaftliche Entfaltung stellt und eine sehr aktive Rolle in der heutigen Gesellschaft spielt.
Die historische Entwicklung innerhalb der Montanregion verlief in der Vergangenheit auf beiden Seiten vergleichbar. Im Mittelalter hatte die Grenze zwischen beiden Königreichen deren Bürger nicht streng voneinander getrennt. Die Grenze verlief auf dem Gebirgskamm und ermöglichte unter den jeweils herrschenden rechtlichen Bedingungen sowohl die wirtschaftliche Zusammenarbeit als auch die gesellschaftliche Kommunikation. Erze, die in Böhmen gefördert worden waren, wurden jenseits der Grenze in sächsischen Hütten- und Hammerwerke verarbeitet. Dagegen wurden Gerätschaften und Lebensmittel aus Sachsen nach Böhmen eingeführt. Zur Zeit der Gegenreformation waren böhmische Protestanten in Sachsen willkommen usw. Die Grenze wurde im 19. Jahrhundert aus wirtschaftlichen Gründen fester. Zur Barriere gegen eine gemeinsame Weiterentwicklung wurde sie aber erst im 20. Jahrhundert. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich beide Seiten des Erzgebirges völlig unterschiedlich.
Die ganz unterschiedliche Entwicklung beider Gebiete in den vergangenen Jahrzehnten stellte für die tschechische Seite eher einen Nachteil für die Realisierung des gemeinsamen Projekts dar. Denkmäler und Landschaft wurden und werden auf böhmischer Seite vernachlässigt und einige gerieten ganz an den Rand des Interesses der Gesellschaft. Althergebrachte Sitten und Bräuche verschwanden ganz und gar und der überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung fehlt es an einer Beziehung zur Region und ihren Denkmälern. Kultur- und Naturdenkmale, die eine entsprechende Bedeutung für das gemeinsame Projekt haben, gibt es auf böhmischer Seite zur Genüge. Sie werden im folgenden Teil des Berichts vorgestellt. Vergleichbar mit der sächsischen Seite gibt es museale Sammlungen und Archivalien sowie Anstrengungen verschiedener Gruppen, die an der gemeinschaftlichen Vorbereitung und Realisierung des Projekts interessiert sind. Als Nachteil stellt sich das Fehlen einer koordinierenden Stelle dar, die dem Förderverein Montanregion Erzgebirge entspricht und mit ihm zusammenarbeitet.
Die Erzvorkommen im Erzgebirge sind nach wie vor nicht erschöpft. Gegenwärtig aber werden sie wegen komplizierter Lagerstättenverhältnisse und geringer Ergiebigkeit nicht genutzt. Der wachsende Rohstoffbedarf, die Preisentwicklung, die Entwicklung neuer Technologien für die Erzgewinnung und deren Aufbereitung können aber in der Zukunft den Bergbau wieder neu beleben.