

Jáchymov - Die Stadt Jáchymov spielte unter den Bergstädten des Erzgebirges eine besondere Rolle. Sie war als Bergbausiedlung im Jahr 1516 angelegt worden und war 1520 bereits zur freien Bergstadt mit 5.000 Einwohnern angewachsen. 1533 lebten in der Stadt bereits 18.000 Einwohner. Sie war damit nach Prag die bevölkerungsreichste Stadt unter der Böhmischen Krone. Beachtenswert ist die Anlage der Stadt in einer engen erzgebirgischen Tallage. Über der Stadt ließ die Familie ©lik zum Schutze der Bergwerke und Münzen Schloß Freudenstein bauen, das teilweise erhalten noch ist.

Der Abbau von Silbererz und dessen Verarbeitung waren die Quellen des Reichtums. Der Taler aus Jáchymov, geprägt mit dem Bildnis des Heiligen Joachim (Avers) und des Böhmischen Löwen (Revers) durch den Stadteigentümer ©lik und späterem Herrscher, von dessen Prägung zunächst ©lik als Adliger und die böhmische Krone profitierten, was sich später das Königshaus allein vorbehielt, wurde zu einem erfolgreichen Zahlungsmittel in Europa. Er kam mit den Auswanderern sogar über den Atlantik, wo er als Dollar bezeichnet wurde.

In der wirtschaftlich starken Stadt wurden prunkvolle Gebäude errichtet, die heute noch erhalten sind (das Rathaus, die Münze, Kirchen, Bürgerhäuser). Die Stadt zog eine Reihe bedeutender Persönlichkeiten der Renaissance an, darunter den hervorragenden Wissenschaftler, Techniker, Arzt und Humanisten Georg Agricola, Autor des Buchs "DE RE METALLICA LIBRI XII - Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen" (1556 /posthum in Basel erschienen/), dass zum Standardwerk für Bergbau und Hüttenleute wurde. In der Stadt wirkte der lutheranische Prediger Johann Mattesius, ein Schüler Martin Luthers, Verfasser von Bergpredigten (Buch Sarepta) und Begründer einer bedeutenden europäischen Bibliothek der lateinischen Schule, die noch erhalten ist. Sie enthält 52 Bücher, die vor 1500 gedruckt worden sind, allesamt europäische Erstdrucke. Das jüngste unter den Büchern stammt aus dem Jahr 1629. Eine herausragende Persönlichkeit in seinem Fach war der Münzprägemeister Lazar Ercker. Im Jahre 1716 war durch einen Erlaß Kaiser Karls des IV. die erste Bergbauschule Europas gegründet worden. Die Bergakademie Freiberg wurde danach 1765 gegründet.
Von Jáchymov breitete sich der Bergbau und die Kunst der Metallverarbeitung in das Erzgebirge hinauf und in andere europäische Bergbaureviere aus. Der traditionelle Bergbau geriet in Jáchymov am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert an sein Ende. Er wurde abgelöst vom Kurbetrieb. Im Jahr 1864 hatte man in der ältesten Grube "Svornost" eine ergiebige radioaktive Quelle entdeckt. Erstmals in der Welt wies die Physikerin Marie Curie-Skladowska im Jahr 1898 in Jáchymov das neue radioaktive Element Radium nach. Die Kenntnis über die heilende Wirkung radioaktiver Substanzen im Wasser von Thermalquellen führte von 1906 an zu einer neuen Art des Kurbetriebs. Es entstanden prunkvolle Kurhäuser, in Jáchymov zum Beispiel der Radiumpalast (Palác Radium). Bedeutende Gäste kamen in die Stadt. Dieser neue Wirtschaftszweig litt aber später dann stark unter den Folgen des Zweiten Weltkriegs und danach unter der intensiven Uranförderung für die Sowjetunion.
Die Uranförderung begann 1946. Die Stadt und die weitere Umgebung wurden zum Sperrgebiet. Das gemeinsame sowjetisch-tschechische Unternehmen förderte ohne Rücksicht auf technische und sicherheitstechnische sowie menschliche Belange (z. B. Einsatz politischer Häftlinge). Im gesamten Jáchymover Revier wurden 970 Erzadern angefahren, von denen waren etwa 370 abbauwürdig. Von 1946 bis 1964 waren 9.600 m Gruben, 179,9 km Schächte und 828 km Strecke aufgefahren worden. Der Uranbergbau wurde 1966 eingestellt.

Der Kurbetrieb erlangte in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wieder Bedeutung, kam aber an seinen ehemaligen Ruhm nicht wieder heran. Das übermäßige Auftreten von Radon belastete das Wohnen im historischen Teil. Die Entwicklung der Stadt und deren Bedeutung für den europäischen Bergbau sind im Museum dargestellt, das in das Gebäude der ehemaligen königlichen Münze eingezogen ist. Seit 1992 ist Jáchymov ein städtebauliches Denkmal. Die Joachimskirche und die Annenkapelle erhielten 1993 den Status von Wallfahrtsorten.
Jáchymov hat es als zentrale Stadt der böhmischen Seite des Erzgebirges verdient, in das Projekt einbezogen zu werden. Die Mehrzahl der einmaligen Baudenkmale sind im vergangen halben Jahrhundert zwar unwiederbringlich verlorengegangen, aber es geht doch gerade um eine bestimmte Attraktivität und ein Mindestmaß an europäischer Bedeutung. Die Aufgabe besteht darin, in den kommenden Jahren diesen historischen, montanistischen, geologischen und mineralogischen Geist der Stadt wieder zu erwecken.

Horní Blatná - Die Stadt entstand als Bergstadt im Jahr 1532 wegen reicher Zinnvorkommen an einer Erhebung gleichen Namens. Sie wurde vom sächsischen Kurfürst Johann Friedrich gegründet, der dazu Bergleute aus dem sächsischen Schneeberg herangerufen hatte. Als Stadt "Auf der Platten" entstand sie systematisch angelegt um den quadratischen Marktplatz herum mit einem rechtwinkligen Straßennetz und 199 Baugrundstücken. 1535 wurde für die Stadt die erste Bergordnung erlassen. Von 1547 an gehörte die Stadt Böhmen an. 1548 erhob sie Ferdinand l. in den Rang einer Königlichen Bergstadt und unterstellte sie dem Obersten Bergamt von Jáchymov. In ihrer Umgebung wurden Dutzende Zinnerzgruben und Zinnhütten betrieben.

Sehr beeindruckend ist der Blick in die Bingen der ehemaligen Gruben auf dem Platten vom Anfang des 16. Jahrhunderts. In den sogenannten Kobaltmühlen stellte man hier vom 16. bis 19. Jahrhundert Kobaltblau her, das in der Hauptsache nach Sachsen und Holland exportiert wurde.

Nach der Einstellung des Bergbaus an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert entwickelten sich hier die Glasherstellung, die Herstellung von Geschirr aus Weißblech, die Spitzenklöppelei und die Handschuhwirkerei. Der Bergbau wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts eingestellt.
Ein außerordentliches Bauwerk ist der Plattener Kunstgraben, der von 1540 an angelegt worden ist. Er diente der Heranführung des benötigten Aufschlagwassers für die Berg- und Hüttenbetriebe, für die Erzwäsche, Pochwerke, Mühlen und Hammerwerke vom etwa 12 km entfernten Flüßchen Èerná in der Nähe von Bo¾í Dar. Dank dieser Anlage entwickelte sich der Abbau in der Umgebung der Stadt und entlang des Grabens sprunghaft. Von Mitte des 16. Jahrhunderts an ging der Kunstgraben in ein unveräußerbares Eigentum der Stadt Horní Blatná über und wurde zum Erbgraben. Diese Anlage wurde dann später nicht mehr unterhalten und wäre bald verfallen. In den Jahren 1996 - 2001 wurde der Graben nach alten Dokumenten wieder hergerichtet und 2002 zum Bauwerk des Jahres erklärt. Am Kunstgraben entlang führt ein etwa zwölf Kilometer langer Lehrpfad. In seinem Verlauf gibt es neugestaltete technische Objekte zu sehen; eingebaute Mechanismen, Speicherbecken, Kreuzungen mit Wasserläufen, hölzerne Aquädukte, Sandfänge und weitere Einrichtungen.
Bis heute hat sich Horní Blatná seinen Renaissance-Grundriß erhalten, wegen dem es 1992 zum städtebaulichen Denkmal erklärt worden ist. Die Bebauung um den Markt herum ist überwiegend mehrstöckig. Im Erdgeschoß sind die Häuser in der Regel massiv gemauert, darüber haben sie ein Fachwerk. Die ältesten stammen aus der Übergangszeit zwischen Gotik und Renaissance. Heute aber überwiegen die aus barocker Zeit stammenden Gebäude. Das alles überragende Bauwerk am Markt ist die 1754 errichtete Lorenzkirche. In einem der historischen Gebäude befindet sich das Museum, dass dem Zinnabbau gewidmet ist.


Bo¾í Dar - Angelegt auf einer Hochebene auf dem Erzgebirgskamm ist es mit seiner Höhe über NN von 1.028 m das höchstgelegene Städtchen Mitteleuropas. In seiner Nachbarschaft befinden sich die höchsten Erhebungen des Erzgebirges, der Klínovec (Keilberg, 1.244 m NN), der Fichtelberg (1.224 m NN) und der Berg Bo¾idarský ©pièák (1.115 m NN), die höchstgelegene Basaltkuppe vulkanischen Ursprungs in Mitteleuropa.

Das Gebiet um Bo¾í Dar gehörte von 1459 an zu Sachsen. Reiche Vorkommen an Silber und Zinn sind bereits vor 1530 bekannt geworden. Im Jahr 1533 gründete der sächsische Kurfürst Johann Friedrich die Siedlung Wintersgrün, für die ein Jahr später eine Bergordnung erlassen wurde, durch die sie dem Bergamt Schneeberg unterstellt wurde. 1546 wurde das Städtchen zur Freien Bergstadt. Der Überlieferung nach bekam sie von Kurfürst Johann Friedrich den Namen "Gottesgab". Der hatte eines Tages, als man ihn bat, auf einer Bank Platz zu nehmen, die ganz aus hiesigem Silber gefertigt worden war, ausgerufen: "Dieses edle Metall, das ist euer Brot, das ist Gottes Gabe!" Um die Gebiete mit reichen Erzlagern führte man heftige Eigentumsstreitigkeiten. Um die zu klären und weiteren vorzubeugen wurden von 1558 an Grenzsteine aufgestellt, von denen einige heute noch erhalten sind. Im Jahr 1580 kam Gottesgab als "Bo¾í Dar" unter die böhmische Krone und wurde königliche Bergstadt.
Im 16. Jahrhundert baute man auch Eisenerz, Kobalt und Wismut ab. Später stach man auch Torf in den Mooren von Bo¾í Dar, die heute als "Bo¾ídarské ra¹elini¹tì" den Status eines Naturschutzgebiets haben. Die Auswanderung der Bergleute während der Gegenreformation und während des Dreißigjährigen Krieges führten zum Niedergang des Abbaus. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde vorrangig Arsen und Zinn abgebaut. Etwa 1820 wurde dann der Bergbau um das Städtchen herum gänzlich eingestellt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Spitzenklöppelei und die Holzverarbeitung die einzigen Erwerbsquellen. Viele Menschen mußten nach Arbeit in die Fremde gehen oder sie zogen als Wandermusikanten umher. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Bo¾í Dar zu einem bedeutenden Zentrum des Wintersports und des Tourismus. Zu den bedeutenden Bauwerken gehört die barocke Annenkirche aus dem Jahr 1772 und das klassizistische Rathaus von 1844 am langgestreckten Marktplatz. Auf dem Marktplatz steht ein Denkmal des hiesigen erzgebirgischen Liedermachers und Schriftstellers Anton Günther (1876-1937), der seine Werke in erzgebirgischer Mundart schrieb und der damit das Erzgebirge bis weit über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht hatte. Auf dem Friedhof befindet sich noch immer sein Grab. Das ist eine Pilgerstätte für die erzgebirgischen Patrioten. Das älteste Gebäude ist das Hotel "Zelený dùm" aus dem 16. Jahrhundert. Hier waren viele bedeutende Persönlichkeiten eingekehrt, wie im Jahr 1542 zum Beispiel Martin Luther. Im Eingangsbereich ist ein Bildnis des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich aus dem Jahr 1546 zu sehen. Bei einem Brand im Jahr 1808 verlor das Städtchen seinen bis dahin erhaltengebliebenen Renaissancecharakter.

Auf intensiven Abbau weisen noch immer weitläufige Schurfstellen hin, in denen in den Ablagerungen der Gebirgsbäche Zinn- und Silberseifen ausgewaschen worden waren. Es gibt in diesem Gebiet auch noch einige Überbleibsel des Tiefbaus zu sehen, Mundlöcher von Stollen und Halden.
Abertamy - Der Ort unterhalb des Ple¹ivec (1.028 m NN) liegt 890 m über NN und ist im Jahr 1525 wegen des Silbererzbergbaus von dem mächtigen Geschlecht der ©liks gegründet worden. Es unterstand dem Bergamt von Jáchymov. Der Abbau und die Verarbeitung von Silber und Zinn kamen zu schneller Blüte, sodass Kaiser Rudolf ll. den Ort in den Stand eines Bergstädtchens erhob. Der Niedergang stellte sich wie bei allen erzgebirgischen Städten ein als Folge der Erschöpfung der Vorkommen, des Fehlens von erforderlichem Kapital für den Abbau in größeren Teufen und der Einfuhr billigeren Silbers aus den spanischen Kolonien ein. Ein weitere Grund für den Niedergang waren gesellschaftliche Veränderungen infolge der Gegenreformation und des Dreißigjährigen Kriegs, die zur Abwanderung der Bevölkerung nach Sachsen führten. Das benachbarte Bergdorf Høebeèná, heute ein Ortsteil von Abertamy, überstand den Dreißigjährigen Krieg besser. Der Abbau in den Zinnlagerstätten bei Høebeèná reichte bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts. Davon profitierten auch die Knappschaft von Abertamy. 1860 wurde dann der Bergbau um Abertamy ganz eingestellt. Nach Schätzungen, es gibt darüber keine genauen Unterlagen, machen die gesamten, im mittelalterlichen Bergbau bei Abertamy aufgefahrenen Strecken mindestens 15 - 20 Kilometer aus. Die Mächtigkeit der Erzgänge war außergewöhnlich und betrug bis zu 50 cm.

Als neue Wirtschaftszweige galten vom 18. Jahrhundert an das Spitzenklöppeln, die Schnitzerei, die Kunstblumenherstellung und vor allem die Handschuhwirkerei. 1938 waren damit etwa 11.000 Arbeiter aus der weiteren Umgebung beschäftigt. Im Jahr 1876 erhielt Abertamy das Stadtrecht. Von 1946 bis 1965 wurde Abertamy neben Jáchymov zu einem Zentrum des Uranbergbaus. Das belegen mehr als 70 km Stollen und Strecken und weitere 17 km Grubenanlagen, die ins Innere des Berges Nový rok vorgestreckt wurden. Insgesamt sind hier 922 t Uranerz abgebaut worden.
Zu den Zeugen des Erzabbaus zählen in der Umgebung von Abertamy beredte Beispiele des mittelalterlichen Bergbaus, Halden, Bingen und Mundlöcher von Stollen, Abflüsse von Grubenwasser aus Erbstollen und anderes mehr. Gerade der Erbstollen Lorenz ©lik ist eine außerordentliche Sache. Er war schon 1533 aufgefahren worden und erreichte bereits 1589 eine Länge von 3.800 m und war damals einer der längsten in Mitteleuropa. Er diente selbst im 20. Jahrhundert der Entwässerung des Uranbergbaus. Schriftliche Überlieferungen belegen, dass in diesem Revier außergewöhnliche Mechanismen zur Wasserhebung eingesetzt worden waren. Die letzten Zeugen des Bergbauzeitalters sind die Halden des Uranbergbaus. Darunter sind einige schon rekultiviert. Die Gesamtlänge aller während des Uranbergbau in Abertamy aufgefahrenen Grubenbaue (einschließlich Schacht Abertamy Ost) beträgt 70 km. Heute ist Abertamy mit seiner Lage unterhalb des Berges Plev¹ivec ein sommers wie winters beliebter Erholungsort. Zu den erhaltenen Baudenkmalen gehört die Kirche zu den Vierzehn Heiligen Nothelfern.

Das Jáchymover Revier ist für die Belange des Projekts Montanregion definitiv das höffigste des böhmischen Gebiets. Es hat dank Jáchymov und der weiteren erwähnenswerten Orte europäische Bedeutung. Es ist ein Beispiel böhmisch-sächsischer Gemeinsamkeit im 16. Jahrhundert und für den Austausch von Informationen, Kenntnissen und technologischem Know-how von Persönlichkeiten und Körperschaften, wirkend auf beiden Seiten der Grenze. Obwohl eine großen Anzahl von Bauwerken verloren gegangen ist, hat das Revier von Jáchymov an technischen und anderen materiellen und immateriellen Denkmalen viel zu bieten. Die Entwicklung seit 1990 in den Orten und in der Landschaft zeigt das Interesse an der ruhmreichen Vergangenheit dieses Gebiets und an ihrer Wiedergeburt.



Einer der Schätze des Erzgebirges sind seine reichen mineralogischen Sammlungen in verschiedenen Instituten des gesamten Landstrichs. Das Gebiet von Jáchymov hat das Weltprimat auch in dem, dass hier rund dreißig Mineralien vorkommen, die von den Experten hier erstmals klassifiziert worden sind.