• 2. Geographische und begriffliche Abgrenzung des Gebiets
  • 3. Bedeutung der erzgebirgischen Bergbauregion für Mitteleuropa
  • 4. Auswahl der Objekte und Beurteilung des Gebiets nach den Projektkriterien
  • 5. Aufbewahrung und Herkunft der Quellen zum Bergbau im böhmischen Erzgebirge
  • 6. Gemeinsamkeiten der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung auf beiden Seiten des Erzgebirges
  • 7. Einbeziehung von Partnern in die Arbeit am Projekt
  • 8. Ergebnis der Beurteilung und Empfehlungen
  • Anlagen
  • 4.2.2 Das Revier von Krupka


    Abb.: Übersicht - Die Denkmale in den genannten Ortschaften und ihrer Umgebung sind in Anlage 2 aufgeführt

    Krupka - Krupka gehört zu den ältesten Stätten des Bergbaus im böhmischen Erzgebirge. Hier ist ein tausendjähriger Bergbau auf Zinn, später auf Wolfram und Fluoride urkundlich belegt.


    Abb.: Grundriß von Krupka

    Der historische Stadtkern wurde in einem sich vom Gebirgskamm heruntererstreckenden Tal errichtet, dass hinaufführt zum Komáøí ví¾ka (Mückentürmchen, 806 m NN). Das ist eine der Hochebenen des östlichen Erzgebirges. Krupka verkörpert die typische Anlage als Straßendorf, vergleichbar mit Jáchymov. Anfangs, etwa bis ins 13. Jahrhundert, gewannen die Bergleute Erze durch Auswaschen von Seifen. Im 14. Jahrhundert bauten sie bereits im Tagebau, den sogenannten Waldbrüchen, ab. Später wurden dann Stollen in die Erzgänge getrieben. Überbleibsel dieser Tätigkeiten sind noch heute zu sehen. Die erste urkundliche Erwähnung als Siedlung stammt aus dem Jahr 1305. Im Jahr 1330 schon ist es als Städtchen im Besitz des sächsischen Geschlechts derer von Colditz erwähnt. Oberhalb der Stadt war die Burg Rosenberg errichtet worden und unweit davon entfernt die Burg Ky¹perk am Handelsweg nach Sachsen.

    Im 15. und 16. Jahrhundert kam es zu einer großen Blütezeit des Abbaus und der Erzaufbereitung. Das Revier breitete sich in Richtung der Stadt Dubí und hoch hinauf auf den Gebirgskamm nach Cínovec aus. Von 1477 an war Krupka Bergstadt, von 1579 bis 1615 Königliche Bergstadt. Unternehmer aus Krupka erwarben Abbaustätten im sächsischen Altenberg und Geising und im Gegenzug erwarben sächsische Unternehmer, vor allem solche aus Freiberg, Gruben in Krupka. Krupkaer Grubenbesitzer und Händler nutzten die Verbindungen vor allem mit Freibergern, aber auch mit welchen aus anderen sächsischen Städten. Sie brachten zum Beispiel die gewonnenen Erze zur Weiterverarbeitung ins Müglitztal, weil es in den Tälern des eigenen Reviers an Wasser mangelte. Diese Beispiele belegbarer gegenseitiger Zusammenarbeit zwischen den benachbarten Bergrevieren zeigen die wirtschaftliche Zusammengehörigkeit des böhmisch-sächsischen Erzgebirges. Die Landesgrenze hatte niemals den intensiven Handel mit Lebensmitteln und anderen Gütern erschwert.

    Im Jahr 2000 wurde der mit Hilfe von Mitteln der EU finanzierte grenzüberschreitende Bergbaulehrpfad eröffnet, der von Krupka über Dubí, Cínovec/Zinnwald und Altenberg nach Geising führt. Zu seinen Stationen gehören unter anderem das denkmalgeschützte Stadtgebiet von Krupka, das Museum, die Burg und das Besucherbergwerk "Alter Martinstollen", der zu den bedeutendsten Gruben gehört, die vom 14. bis zum 20. Jahrhundert betrieben wurden. Entlang des Lehrpfads gibt es viele Zeugen der verschiedenen bergbaulichen Tätigkeiten zu sehen, zum Beispiel Seifenwäschen, Halden und Stollenmundlöcher. In der Bergkapelle zum Heiligen Wolfgang in Horní Krupka, in der die Schicht der Bergleute jeweils begann und endete, gibt es eine kleine historische Ausstellung. Seinen höchsten Punkt erreicht der Lehrpfad zunächst am Komáøí ví¾ka, dem Mückentürmchen, wo einst ein Förderturm stand und wo sich heute ein Berghotel befindet. Von hier aus gibt es einen fantastischen Blick auf das Kohlebecken und das Böhmische Mittelgebirge. Der Bergbaulehrpfad setzt sich dann bis Cínovec/Zinnwald fort und nach dem Grenzübergang geht er auf sächsischer Seite weiter.

    Von Krupka-Bohosudov aus führt seit 1953 ein Sessellift hinauf zum Mückentürmchen. Das ist der längste in der Tschechischen Republik. Die gesamte Bergregion gehört zum unter Schutz stehenden Naturpark "Osterzgebirge" mit seiner Reihe von einzelnen Naturschutzgebieten. Im Museum der Stadt gibt es eine naturwissenschaftliche Ausstellung (Geologie, Paläontologie, Mineralogie und Natur Nordwestböhmens) und eine historische Ausstellung zur Entwicklung des Abbaus und der Verarbeitung von Zinn und weiterer Tätigkeiten, die eine enge Verbindung mit der Geschichte der Stadt haben. In der Stadt gibt es eine Reihe von kirchlichen Bauwerken aus der Gotik und der Renaissance - die Mariä Himmelfahrtskirche, die Annenkirche (mit einer Ausstellung über Bergdörfer an der böhmisch-sächsischen Grenze im Erzgebirge), die Heilig Geistkirche und die Kirche des Heiligen Prokop, von der nur die Umfassungsmauern stehen. Mit der Geschichte des Bergbaus eng verbunden ist der sogenannte Starý Dvùr, der Alte Hof und archäologische Funde. Im Stadteil Bohosudov befindet sich eine bedeutende Pilgerstätte - das barocke Areal "Die sieben Schmerzen Mariens".


    Abb.: Kapelle des Heiligen Wolfgang - Abb.: Burg Rosenberg - Abb.: Besucherbergwerk Alter Martinstollen


    Abb.: Blick auf die grenznahen Übertageanlagen

    Cínovec - Der Ort entstand zu beginn des 16. Jahrhunderts auf dem Kamm des Erzgebirges. Die ersten Belege für den Zinnabbau gibt es allerdings schon aus dem Jahr 1378. Der Ort liegt direkt an der Grenze zu Sachsen an einer alten Handelsstraße nach Dresden. Die führte über Altenberg, wo Zinn seit dem 15. Jahrhundert abgebaut wurde. Cínovec ist lange Zeit protestantisch geblieben. Deshalb hat es hier in der Zeit der Gegenreformation weniger Emigration gegeben. Der Erzabbau verlief hier ohne Unterbrechung bis ins 20. Jahrhundert hinein. Während des Zweiten Weltkriegs war der Abbau im böhmischen Teil der Lagerstätte mit dem im sächsischen verbunden. Von 1950 an waren hier intensiv Zinn-, Wolfram- und Molybdänerze abgebaut worden. Der Erzabbau wurde 1991 eingestellt. Bis zu dieser Zeit sind mehr als 1,5 Mio t Abraum herausgefördert worden. Die Erzausbeute lag etwa bei 3.500 t Zinn, 2.500 t Wolfram. Seit der Einstellung der Förderung verfällt das ganze Gelände. Damit enden 600 Jahre Bergbau in Cínovec.

    Im Ort gibt es eine barocke Kirche mit einem spätgotischen Alter aus der Zeit der Entstehung der Gemeinde. Dazu gibt es noch einige typische erzgebirgische Bauernhäuser aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Cínovec ist heute Ortsteil der Stadt Dubí.


    Abb.: Die Kirche, die von der Bedeutung des Ortes in der Vergangenheit zeugt - Abb.: Ländliches Anwesen auf der Hochebene - Abb.: Tagesanlagen der Grube aus der Vogelperspektive

    Dubí - Der Ort entstand am Ende des 15. Jahrhunderts. Im 16. Jahrhundert kam es zu einer stürmischen Entwicklung. Außer einer Reihe von Zinngruben in den umgebenden Waldgebieten gab es einen Eisenhammer und eine Pulvermühle. Im 17. Jahrhundert wurden ein Getreidespeicher und eine Papierfabrik gebaut. Durch den Bergbau wurden Heilquellen entdeckt und 1872 wurde Dubí zum Kurort. Die Heilquelle mit kohlensaurem Mineralwasser hilft bei der Behandlung von Schlaganfällen, nach Rückgrat- und Hirnoperationen, Lähmungen und anderen Krankheitsbildern. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts siedelten sich Betriebe der Keramik- und Glasindustrie an. Noch heute wird das weltbekannte Zwiebelmuster herstellt, das seinen Ursprung im sächsischen Meißen hat. Die Stadt hat einen Umkehrbahnhof der denkmalsgeschützen Erzgebirgseinsenbahn (1884), die von Most nach Moldava führt und die bis 1945 bis ins sächsische Freiberg reichte. Eine europäische Seltenheit ist die Marienkirche, erreichtet von 1898 bis 1906 nach dem Vorbild der Kirche Santa Maria dell´ Orto in Venedig.


    Abb.: Marienkirche

    Abb.: Kuranlagen in Dubí - Abb.: Traditionelles Zwiebelmuster