• 2. Geographische und begriffliche Abgrenzung des Gebiets
  • 3. Bedeutung der erzgebirgischen Bergbauregion für Mitteleuropa
  • 4. Auswahl der Objekte und Beurteilung des Gebiets nach den Projektkriterien
  • 5. Aufbewahrung und Herkunft der Quellen zum Bergbau im böhmischen Erzgebirge
  • 6. Gemeinsamkeiten der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung auf beiden Seiten des Erzgebirges
  • 7. Einbeziehung von Partnern in die Arbeit am Projekt
  • 8. Ergebnis der Beurteilung und Empfehlungen
  • Anlagen
  • 4.2.3 Das Revier von Hora Svaté Kateøiny


    Abb.: Übersicht - Die Denkmale in den genannten Ortschaften und ihrer Umgebung sind in Anlage 2 aufgeführt


    Abb.: Hora Svaté Kateøiny

    Hora Svaté Kateøiny - Der Abbau von Silber- und Kupfererzen in der Umgebung des heutigen Hora Svaté Kateøiny ist schon aus vorhussitischer Zeit bekannt. Entscheidend für die Entwicklung dieses gesamten Gebiets war das Jahr 1473, als der Krupkaer Patrizier Lorenz Glatz von Altenhof, der seine berg- und hüttenmännischen Erfahrung nutzte, die er in Krupka erworben hatte, die Rothenhauser Herrschaft kaufte. Nach seinem Tode fiel dieser Besitz an den bekannten Bergbauunternehmer Sebastian von Veitmile, den Gründer von Hora Svatého ©ebestiána, der 1528 für die Ansiedlung das Stadtrecht erwirkte. Von 1556 an galt die Einwohnerschaft als die einer Königlichen Freien Bergstadt.

    Im 16. und 17. Jahrhundert hatte man hier nicht nur Silber-, Kupfer- und Bleierz abgebaut sondern auch Gold gewaschen. Der eigentliche Reichtum aber war das hier gefundene Kupfer, das sich gut verkaufte und das in der Saigerhütte in Grünthal im sächsischen Olbernhau verhüttet wurde. Vom zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts an kam es zu einem dramatischen Einbruch beim Abbau. Zu einer neuen Blüte kam es erst nach 1713 wieder, als die Gruben in anderen Revieren nicht recht arbeiteten oder eingegangen waren. Nach der weitgehenden Auserzung der Lagerstätte wurde der Abbau nach dem letzten Viertel des 18, Jahrhunderts eingestellt. Die Versuche, ihn im 19. Jahrhundert, die Förderung nochmals aufzunehmen, waren nicht erfolgreich. Im Jahr 1936 war der Nikolaistollen für den Tourismus zugänglich gemacht worden. Während des Krieges diente er als Luftschutzraum. Nach 1945 wurde er nicht mehr genutzt. Es ist geplant, die Grube zu sanieren und wieder als Besucherbergwerk zu nutzen. Auch hier wird seit langem schon nach dem verschollenen Bernsteinzimmer gesucht, das während des Zweiten Weltkriegs von deutschem Militär aus dem russischen Zarskoje Sjelo entfernt worden ist. Gerüchten zufolge soll ist es in dieser Grube eingelagert sein. Der Schatz wird auch im benachbarten Deutschkatharinenberg im Fortuna-Stollen gesucht.

    Die Stadt hat eine interessante Anlage. Ihr Zentrum ist auf dem Gipfel eines richtigen Bergs angelegt, dem Stadtberg mit einer Höhe um 700 m NN. In der Stadt gibt es einige Denkmale, die an den Bergbau in der Vergangenheit erinnern - das Gebäude des ehemaligen Rathauses, die Kirche von 1556 mit einem barocken Vorbau und einer Glocke von 1616, eine Pieta als Sandsteinskulptur aus dem Jahr 1729 und eine Reihe typischer alter Berghäuser. Ein kleines Museum gibt es im benachbarten Nová Ves v Horách.


    Abb.: Nikolaistollen - Abb.: Ehemaliges Rathaus und Sitz des Kreisgerichts - Abb.: Pieta vor einem Berghaus

    Brandov - Brandov ist ein Grenzort nahe Hora Svaté Kateøiny. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1549. Der Name ist abgeleitet von der deutschen Bezeichnung "Brandrodung", die hier zum Zwecke der Erzgewinnung vorgenommen wurde, deshalb Brandov. Oberhalb des Ortes ist in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Existenz einer kleinen Burg nachweisbar, die dem Schutze der Landesgrenze an den Handelswegen nach Sachsen diente. Die Entstehung und Entwicklung des Ortes stehen im Zusammenhang mit dem Abbau von Eisenerz und später Kupfer- und Silbererzen. Die Erzförderung wurde im 19. Jahrhundert eingestellt, nicht aber der ganze Bergbau in Brandov. In diesem Bergtal war ein Vorkommen von Steinkohle nachgewiesen worden. Zwischen 1826 und 1924 wurde hier qualitativ hochwertige Anthrazitkohle abgebaut. Sie wurde auf sächsischer Seite im Anthrazitwerk Olbernhau aufbereitet. In der Umgebung finden sich heute noch erkennbare Spuren des Anthrazitabbaus.

    Im Ort steht die gut erhaltene Kirche zum Erzengel Michael (1720-30) sowie eine Friedhofskapelle, die sich beide gut in die erzgebirgische Landschaft einfügen. Das tief eingeschnittene Tal des Bachs Natzschung bildet die sächsisch-böhmische Grenze. Es stellt mit seinen steilen Felswänden ein attraktives Gebiet dar (Erzgebirgische Schweiz). Allerorten findet man Hinterlassenschaften des früheren Bergbaus.

    Gabrielina Hu» - Dieses westlich Brandov gelegene ehemalige Dorf war 1779 am Bach Telèský potok angelegt worden, der seinerzeit die Landesgrenze bildete. Es standen hier ein Hochofen, eine Erzaufbereitung, vier Hammerwerke, ein Blechhammerwerk und eine Zinngießerei. Vom Jahr 1817 an war man hier auf die Blechherstellung spezialisiert. Eisenerze wurde in umliegenden Bergwerken gefördert. Hier wurde gleichzeitig die Verarbeitung von Abfällen eingeführt, aus denen Beize und Färberlohe hergestellt wurden. Die Eisenhütte konnte im 19. Jahrhundert nicht mehr mit den neuen Unternehmen konkurrieren, zum Beispiel mit den Chumutover Eisenwerken, und wurde deshalb 1867 geschlossen. Es war dennoch ein wichtiger Standort für die Eisenerzaufbereitung (zusammen mit Betrieben in Naèetín und Kalek) für die Zusammenarbeit mit benachbarten sächsischen Unternehmen. Das Leben zog sich aus diesem einst belebten Tal zurück. Heute ist der Bach Telèský potok in einer kleinen Talsperre angestaut.


    Abb.: Jagdschloß Lichtenwald bei Brandov - Abb.: Talsperre im Wald an der Stelle des ehemaligen Orts Gabrielina Hu»

    Fláje - Der Ort Fláje als Standort der Holzverarbeitung wurde Mitte des 20. Jahrhunderts geräumt im Zuge des Anstaus des Flüßchens gleichen Namens in einer Talsperre zur Gewinnung hochwertigen Trinkwassers. Die Talsperre ist ein Kulturdenkmal und ist die einzige in der Tschechischen Republik, die in Pfeilerbauweise ausgeführt ist. Sie war 1963 fertiggestellt. Die Staumauer besteht aus 34 Pfeilern, von denen 19 hohl sind. Das Stauvolumen beträgt 21 Millionen Kubikmeter Wasser, die Staufläche beträgt etwa 150 Hektar. 1969 war die im Ort abgebaute und aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammende, seltene Schrotholzkirche nach Èeský Jiøetín umgesetzt worden. Sie ist ein einzigartige sakrales Denkmal der Volksarchitektur des böhmischen und sächsischen Erzgebirges.


    Èeský Jiøetín - Der Ursprung dieses Orts des Bergbaus und der Holzverarbeitung an der Landesgrenze liegt im 16. Jahrhundert. Hier sind heute einige Gebäude der sogenannten Volksarchitektur erhalten geblieben. Unweit des Ortes liegt mitten im Wald das kleine Jagdschloß Lichtenwald, von 1761 - 1767 errichtet. Ein interessantes Denkmal des Zusammenwirkens von Bergbau und Hüttenwesen stellt der Flößkanal Fláje - Clausnitz dar, der in den Jahren 1624 - 1629 angelegt worden ist. Auf ihm wurde Gruben- und Brennholz (kurze Schnittlängen) von den Höhen des böhmischen Erzgebirges ins Freiberger Revier befördert. Seine Länge beträgt etwa 20 km bei einem Höhenunterschied von 150 m. Der Kanal ist teilweise in Fels gehauen oder mit Steinen ausgebaut. Eine eingebaute Sicherheitsschleuse bildet einen kontrollierten Überlauf hinunter zum 66 m tiefer liegenden Bach Flájský potok bzw. Flöha. Dadurch entsteht ein künstlicher Wasserfall. Im 19. Jahrhundert wurde damit eine Turbine betrieben, die Strom für Papierfabrik lieferte. Der Kanal wird unterhalten und dient als wasserbauliches Denkmal. Zum Bekanntmachen dieser alten Kulturlandschaft ist ein Lehrpfad von den Höhen um Èeský Jiøetín bis Hora Svaté Kateøiny angelegt worden.


    Abb.: Talsperre Fláje - Abb.: Bei Niedrigwasser im Stauraum der Talsperre Fláje - Abb.: Die nach Èeský Jiøetín umgesetzte Kirche aus Fláje

    Von 1998 an führt durch den mittleren Teil des Erzgebirges ein touristischer Autorundkurs mit einer Länge von rund 100 km. An ihm liegen alle historischen und natürlichen Sehenswürdigkeiten. Dazu hat man an besonders gekennzeichneten Stellen einen hervorragenden Blick auf die erzgebirgische Kulturlandschaft, die sich in den vergangenen Jahrhunderten infolge des Bergbaus herausgebildet hat und durch die industrielle Entwicklung im Kohlebecken am Fuß des Gebirges ebenso entstanden ist.

    Abb.: Touristischer Autorundkurs durch das Erzgebirge mit einer Länge von 100 km