• 2. Geographische und begriffliche Abgrenzung des Gebiets
  • 3. Bedeutung der erzgebirgischen Bergbauregion für Mitteleuropa
  • 4. Auswahl der Objekte und Beurteilung des Gebiets nach den Projektkriterien
  • 5. Aufbewahrung und Herkunft der Quellen zum Bergbau im böhmischen Erzgebirge
  • 6. Gemeinsamkeiten der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung auf beiden Seiten des Erzgebirges
  • 7. Einbeziehung von Partnern in die Arbeit am Projekt
  • 8. Ergebnis der Beurteilung und Empfehlungen
  • Anlagen
  • 4.2.4 Das Revier von Mìdìnec und Hora Svatého ©ebestiána


    Abb.: Übersicht - Die Denkmale in den genannten Ortschaften und ihrer Umgebung sind in Anlage 2 aufgeführt


    Abb.: Zeitgenössische schematische
    Darstellung des Pøíseènicer Bergbaus
    aus dem 18. Jahrhundert

    Pøíseènice - Diese heute nicht mehr existierende Stadt gehörte im mittleren Teil des Erzgebirges vom 14. Jahrhundert an zu den bedeutendsten Bergbauzentren. Man hatte hier Eisenerz, Kupfererz, Zinkerz, Silbererz und die Erze anderer Metalle wie Arsen, Kobalt, Nickel, Wismut, Zinn und Wolfram abgebaut. Die Siedlung entstand an einer alten Salzstraße vom sächsischen Chemnitz nach Prag über der Eisenerzlagerstätte am sogenannten Kremsiger. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1335. Um 1340 waren Silbererzbergwerke gegründet worden und 1342 wurde hier eine Münze errichtet, in der der Prager Groschen geprägt wurde.

    Die Herrschaft von Lobkovice erhob den Ort im Jahr 1420 zum Bergmarktflecken. Dann fielen Hussiten ein und zerstörten ihn und die Gruben. Er raffte sich erneut auf und wurde im Jahr 1545 in den Rang einer Bergstadt und 1614 gar in den einer Königlichen Bergstadt erhoben. Abbau und Verarbeitung von Erzen erlangten im 16. Jahrhundert eine Blütezeit. Im 17. Jahrhundert kam es allerdings wieder zum Niedergang. Gründe dafür waren die Erschöpfung der Vorräte und mehrere Überfälle schwedischer Soldateska. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erholten sich der Eisenerzabbau und die Verhütung und wurden profitabel. Der Silberbergbau wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts eingestellt. Eine große Bedeutung erlangte eine Gruppe von Bergwerken, die nordwestlich von Pøíseènice unweit des Ortes Èerný Potok angelegt waren. Die arbeiteten erfolgreich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein. Die hier abgebauten Erze wurden in Kováøská verhüttet. Ein weiterer Schicksschlag ereignete sich 1811, als ein Brand etwa 80 % der Stadt völlig vernichtet hatte. Auch aus dieser dramatischen Lage arbeitete sich die Stadt wieder hoch und wurde zu einer Kreisstadt mit dem Sitz des Kreisgerichts. Vor allem die Textilindustrie schaffte hier Arbeit und Brot. Im 20. Jahrhundert wurde dann aber das Schicksal der Stadt endgültig besiegelt. Zunächst verlor sie unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mehr als 70 % ihrer Bevölkerung. Im Jahr 1962 wurde sie dann ganz und gar liquidiert. An dieser Stelle entstand 1975 eine Talsperre für Trinkwasser mit einer Fläche von 364 ha. In ihrer Umgebung aber gibt es noch heute guterhaltene Zeugen des Bergbaus und der Wasserkünste des Mittelalters. Spuren des intensiven Bergbaus kann man heute noch am Kremsiger sehen und dort, wo einst die Münze stand.


    Abb.: Pøíseènice um 1930
    Abb.: Die überflutete aber unvergessene Stadt

    Abb.: Spuren des Bergbaus am Kremsiger

    Vejprty - Vejprty ist eine Grenzstadt, die mit dem benachbarten Bärenstein, das von evangelischen Exulanten aus Vejperty errichtet wurde, eine Doppelstadt bildet. Hier führte eine Salzstraße von Sachsen nach Pøíseènice und weiter, von der noch bis zu sechs Metern tiefe Hohlwege zu sehen sind. Eisenerz hat man hier wahrscheinlich schon im 14. Jahrhundert abgebaut, als hier ein Hammerwerk stand. Für die Gruben gibt es schriftliche Überlieferungen erst aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Polymetallische Erzlagerstätten wurden hier an verschiedenen Stellen um 1550 herum entdeckt. Erwähnenswert ist darunter die Fundstelle bei Nové Zvolání (glücklicher Ausruf der Bergleute nach der Entdeckung eines großen Silberbrockens). Die bergbauliche Entwicklung vollzog sich in Vejprty analog der von Pøíseènice oder Bo¾í Dar. Mit der Entwicklung der Erzförderung ging die Entwicklung der Hüttenwerke einher. Die Zeit der höchsten Blüte erreichte man hier am Übergang vom 16. zum 17. Jahrhundert. Im Jahr 1607 erhielt Vejprty den Status einer Königlichen Bergstadt.


    Im 18. und 19. Jahrhundert übertraf die Bedeutung des hiesigen Bergbaus den von Pøíseènice. Im Jahr 1850 aber wurden alle Gruben geschlossen. Vejprty ist ein Beispiel für den gelungen Übergang von einer Stadt des Bergbaus zu einer Industriestadt. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wuchs sie heran zu einem Zentrum der Textilindustrie und des Geräte- und Apparatebaus. Sie knüpfte dabei an die Tradition der Büchsenherstellung im 17. Jahrhundert an. Von 1874 an war die Stadt über Eisenbahnstrecken mit Chomutov und dem sächsischen Chemnitz über Annaberg verbunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg sank die Einwohnerzahl auf weniger als ein Viertel von etwa 13.500 auf 3.300 Bewohner.

    Die Stadt verfügt über ein Museum. In ihrer Umgebung befindet sich eine Reihe von bedeutenden Zeugen des mittelalterlichen Bergbaus sowie Denkmale wie die Bergkapelle des Heiligen Martin aus der Zeit der Renaissance. Gegenwärtig hat man in Vejprty die Sanierung des historischen Antonín-Paduánský-Stollens aus dem 17. Jahrhundert begonnen. Das Mundloch samt Portal wurde erneuert und es ist geplant, den Stollen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es handelt sich hier um eine interessante Grube mit einer etwa zwölf Meter hohen Radstube. Der Einsatz eines nachgebauten Wasserrades wird sicherlich eine große touristische Attraktion. In Vorbereitung ist auch ein sehr interessanter Lehrpfad, der durch dieses vom Bergbau gezeichnet Gebiet führen wird.


    Abb.: Bergkapelle des Heiligen Martins - Abb.: Hohlweg auf der alten Salzstraße - Abb.: Nachbarstädte - Bärenstein und Vejprty


    Abb.: Ruine des Holzkohlelagers der Hütten
    in höchst vernachlässigtem Zustand

    Kováøská - In der Umgebung des Ortes gab es einige weniger bedeutende Eisenerzgruben und einige Bergwerke, in denen Silber- und Bleierze abgebaut wurden. Sehr bedeutend war hier dagegen das Hüttenwesen. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes stammt von 1555. Im Jahre 1598 entstand eine Eisenhütte mit einem der ersten Hochöfen des Erzgebirges. Der Hochofen steht auch auf dem Stadtwappen mit der Jahreszahl 1883. Das ist das Datum, an dem der Ort das Stadtrecht erhalten hatte.


    Im 19. Jahrhundert stellte man hier hochwertige Guß- und Drahterzeugnisse her. In den die Stadt umgebenden Wäldern wurde in Meilern Holzkohle hergestellt.

    Südwestlich des Ortes gab es ein Kalksteinvorkommen. Daraus wurde Brandkalk als Baustoff und für den Bedarf der hiesigen Hütten hergestellt. Der Kalkstein von Kováøská hat eine außerordentlich gute Verwendbarkeit für technische Zwecke und ist das älteste Vorkommen seiner Art auf dem Gebiet der Tschechischen Republik. Im Jahr 2004 stürzte einer der beiden Schachtöfen ein. Es droht der weitere Verfall des Denkmals.


    Abb.: Ehemaliger Schachtofen aus dem 19. Jahrhundert - Abb.: Arbeit am Holzkohlemeiler - Abb.: Barockes Bauensemble im Ortszentrum mit Kirche, Pfarrhaus und Mariensäule

    Mìdìnec - An der Erhebung Mìdník (Kupferberg) oberhalb von Mìdìnec wurde die Erzlagerstätte schon vor Mitte des 15. Jahrhunderts abgebaut. Auf einer kleinen Fläche konzentrierte sich hier die Mehrzahl der Gruben. Das Bergstädtchen Mìdìnec wurde im Jahr 1520 von der Herrschaft von Fictum gegründet und mit dem Recht zum Freien Silberhandel ausgestattet. Daraus ist zu schließen, dass man hier zum Beginn des Bergbaus Silbererzerze abgebaut hatte. Von 1540 verarbeitete man Kupfererze zu sogenanntem Vitriolöl, aus dem man Eisen- und Kupfervitriol hergestellt hat. Im Jahr 1588 wurde Mìdìnec zur Bergstadt, 1616 zur Königlichen Bergstadt.


    Im Jahr 1628 kam die Stadt dann als unfreie Stadt in das Eigentum der ©liks und im folgenden in das ihnen folgender Adelsgeschlechter. Man baute in der weiteren Umgebung der Orte Horní und Dolní Hal¾e und Údolièko ab. Der Kupfererzbergbau und die Vitriolhütten wurden um 1860 geschlossen. Vom 18. Jahrhundert an baute man hier auch Eisenerze ab. Die letzte Eisenerzgrube des Erzgebirges wurde 1992 geschlossen (Magnetitabbau von 1967 an). Die Gesamtausbeute hier betrug 2,7 Mio t hochwertigen Magnetits mit einem durchschnittlichen Eisengehalt von 35 %. Aus dem geförderten Erz wurden noch 325 kg Kupfer und 800 kg Silber gewonnen. Es war das letzte im Erzgebirge abgebaute Silber, das so ruhmreich zu dessen Entwicklung und Geschichte beigetragen hat.

    In der Stadt und ihrer Umgebung gibt es eine Reihe von Denkmalen der Bergbaugeschichte. Weiter gibt es auf der Anhöhe Mìdník eine Bergkapelle aus dem Jahr 1647 zu sehen. Der deutsche Gelehrte Wilhelm von Humboldt (1767-1835) pries den Ausblick von dieser Stelle als einen der schönsten in Mitteleuropa. Am Fuß der Erhebung wurde im Jahre 1910 das Besucherbergwerk "Marie-Hilfe-Stollen" mit einer Malachithöhle als touristischer Attraktion eingerichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg blieb sie geschlossen und wurde erst 1994 dank einer Initiative der Georg-Agricola-Stiftung zwei Jahre lang wieder geöffnet.


    Abb.: Mundloch des "Marie-Hilfe-Stollen" - Abb.: Der Ort Mìdìnec - Abb.: Das letzte Bergwerk im tschechischen Erzgebirge

    Nach der Einstellung der Eisenerzförderung im Jahr 1992 war ein Schacht noch für die Öffentlichkeit zugänglich, in dem muskovithaltiger Glimmerschiefer abgebaut wurde. 1998 wurde auch dieser Abbau eingestellt und der Schacht aufgegeben.

    Mìdìnec gehört mit seinen Denkmalen, seiner attraktiven, ihn umgebenden Natur (Anhöhe Mìdník, Felsgebilde Sphinx, Stollen, Hochebene) und den umfangreichen Zeugen der Bergbaugeschichte zu den potentiellen Anwärtern zur Aufnahme in das Projekt Montanregion. Für 2007 wird die Sanierung und Wiedereröffnung des Besucherbergwerks "Marie-Hilfe-Stollen" vorbereitet. Im Ort ist ein kleines Museum eingerichtet worden. In Planung befindet sich der Aufbau eines Bergbau-Freilichtmuseums mit weiteren Grubeneinrichtungen und einem kleinen "Geopark" mit einer Ausstellung zu typischen Bergbauregionen sowie von zwei Lehrpfaden, ein bergbaugeologischer und einer mit naturwissenschaftlichen Ausrichtung. Das soll auch alles verbunden werden mit dem Netz der Fahrradrundkurse und auf sächsischer Seite mit der "Silberstraße".


    Abb.: Burg Hasi¹tejn unterhalb
    von Výsluní

    Výsluní - Eine schriftliche Erwähnung von größerer Bedeutung stammt aus dem Jahr 1565, als die Lobkovicer Herrschaft, Besitzer der nahegelegenen Burg Hasi¹tejn, den Bergsiedlungen Privilegien und den Bewohnern grundlegende Siedlungsfreiheit eingeräumt hatten. Es wird aber angenommen, dass man hier schon viel früher mit dem Abbau begonnen hatte. Der größte Aufschwung entwickelte sich am Ende des 16. Jahrhunderts, als man reiche Lagerstätten von Silber-, Kupfer-, Blei- und Zinnerzen fand. 1594 wurde Výsluní zur Königlichen Bergstadt.

    Der Abbau kam während des Dreißigjährigen Krieges zum erliegen, aber schon vor seinem Ende gibt es Belege für seine Wiederaufnahme (1644) zu eigenen Lasten der Bürger. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aber zwang dann ein Nachlassen der Ergiebigkeit die Grubenbesitzer zur Aufgabe. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts förderte man in Výsluní noch Eisenerz mit einem bestimmten Gehalt an Mangan. Die Förderung wurde 1946 eingestellt. Bis zur Gegenwart ist die schachbrettartige Anlage der Stadt erhalten geblieben. Das Wahrzeichen der Stadt ist die Wenzelskirche, erbaut von 1851 bis 1857, die bereits das vierte Bauwerk am gleichen Platz darstellt. Aufmerksamkeit erweckte ihre Größe und ihr desolater Zustand. Sie wurde zum Kulturdenkmal erklärt und wird seit 1997 saniert. Das Kircheninnere soll als Ausstellungsraum hergerichtet werden und soll Möglichkeit zur Darstellung der unschätzbaren Bergbaugeschichte des Ortes erhalten. Als Denkmale gelten weiter interessante Bürgerhäuser, das Empirerathaus und ein Ensemble barocker Plastiken am Marktplatz.


    Abb.: Wenzelskirche vor dem Einsturz
    Abb.: Empirerathaus von 1846

    Abb.: Kircheninneres als künftiger Raum zur Darstellung
    der Ortsgeschichte


    Hora Svatého ©ebestiána - Durch diese Gegend, in der 1529 diese Bergbaugemeinde entstand, führte einer der ältesten Wege nach Sachsen in Richtung Zschopau und Chemnitz. Der Abbau von Silber-, Kupfer und Zinnerzen entwickelte sich am Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert, als diese Ländereien Sebastian von Veitmile gehörten. Später hatte man auch Blei und Zink abgebaut. Im Jahre 1558 wurde Hora Svatého ©ebestiána Bergstadt und wurde 1597 in Rang einer Königlichen Bergstadt erhoben. Von der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts an ging der Bergbau zurück, wurde aber unter großen Schwierigkeiten bis ins 19. Jahrhundert weiterbetrieben. Vom 19. Jahrhundert an wurde hier Torf gestochen, der bis zu zehn Metern Mächtigkeit anstand. Im Jahr 1902 wurde hier dafür extra eine Forschungsanstalt eingerichtet, die einzige der Österreichisch-ungarischen Monarchie, die sich mit diesem Rohstoff beschäftigte. Der Torfstich wird weiterhin betrieben. In der Umgebung des Ortes gibt es deutliche Zeichen mittelalterlichen Bergbaus. Interessant ist die Anlage der Ortschaft auf dem Rücken einer Erhebung. Es entstand der ebenfalls noch gut erhaltene schachbrettartige Grundriß der Renaissancestadt, auch wenn sie sich heute in sehr desolatem Zustand befindet. Die Umgebung ist heute eine menschenleere Hochebene mit 750-850 m NN. Die unbewirtschaftete Graslandschaft läst den Besucher erahnen, wie intensiv sie in der Vergangenheit landwirtschaftlich genutzt worden sein muß, als sie noch ein dichtbesiedeltes Gebiet war. Der Ort grenzt direkt an das Naturschutzgebiet "Novodomské ra¹elini¹tì", das Neuhausener Moor.


    Abb.: Torfstich um 1935 - Abb.: Das geschützte Neuhausener Moor - Abb.: Wappen der Bergstadt, am Rathaus angebracht