• 2. Geographische und begriffliche Abgrenzung des Gebiets
  • 3. Bedeutung der erzgebirgischen Bergbauregion für Mitteleuropa
  • 4. Auswahl der Objekte und Beurteilung des Gebiets nach den Projektkriterien
  • 5. Aufbewahrung und Herkunft der Quellen zum Bergbau im böhmischen Erzgebirge
  • 6. Gemeinsamkeiten der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung auf beiden Seiten des Erzgebirges
  • 7. Einbeziehung von Partnern in die Arbeit am Projekt
  • 8. Ergebnis der Beurteilung und Empfehlungen
  • Anlagen
  • 4.2.6 Das Revier Westerzgebirge


    Abb.: Übersicht - Die Denkmale in den genannten Ortschaften und ihrer Umgebung sind in Anlage 2 aufgeführt


    Abb.: Blick in den Stollen
    "U Vítìzné"

    Nejdek - Diese Stadt und die Orte in ihrer Umgebung verdanken ihre Entstehung dem Abbau von Zinnerzen vom 14. - 16. Jahrhundert. Es ist aber anzunehmen, dass hier eine Bergbausiedlung bereits um 1250 entstanden war. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1340. Den größten Umfang erreichte der Erzabbau von der zweiten Hälfte des 15. bis Ende des 16. Jahrhunderts durch das Wirken der erfolgreichen Bergbauunternehmer aus dem Geschlecht ©lik. Es wurden auch Eisenerze abgebaut, was in der Umgebung von Nejdek zum Bau von Hütten- und Hammerwerken geführt hatte. Die Abwanderung von Protestanten nach Sachsen führte zu einem deutlichen Rückgang des Abbaus und der Verhüttung von Erzen. Dennoch wurde bis 1870 abgebaut. Man begann vor dem Ersten Weltkrieg sogar wieder mit der Förderung von Zinnerz. Nach 1945 wurde der Bergbau eingestellt.

    An die Tradition der Eisenverarbeitung aus dem 16. Jahrhundert knüpften die Nejdeker Eisenwerke nach dem Jahr 1813 an, als sie sich auf die Herstellung von Walzblech spezialisierten. Grundlegende Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der ganzen Region hatte eine Eisenbahnlinie, die vom Jahr 1881 an gebaut wurde und schrittweise eine Verbindung der Stadt mit Karlovy Vary und der sächsischen Bergstadt Johanngeorgenstadt, dem sogenannten erzgebirgischen Semmering, schuf. In Nejdek und Umgebung hatten sich im 19. Jahrhundert viele Formen der Heimarbeit entwickelt vor allem für die Textilindustrie (zum Beispiel Kammgarnspinnerei) und im Handwerk. Die Entwicklung der Stadt Nejdek war im 20. Jahrhundert von den gleichen Umständen beeinflußt, wie die übrigen erzgebirgischen Ortschaften. Sie verlor an Bedeutung und verfiel. Heute aber beginnt man, an die Vergangenheit anzuknüpfen. Der Grundstein für die architektonische Entwicklung war in der größten Blütezeit des Bergbaus im 16. Jahrhundert gelegt worden. Die Stadt wird überragt von einem Burgturm aus dem 13. Jahrhundert. Denkmalsgeschützte Bauten sind weitere Bauwerke aus den Epochen des Barock, des Klassizismus und des Jugendstils wie zum Beispiel das Schloß. Es wurde ursprünglich im 17. Jahrhundert errichtet, dann aber mehrfach umgebaut. Die Stadt besitzt ein Museum, das der regionalen Geschichte gewidmet ist. Im Tal der Rolava ist die Mehrzahl der Zeugen des mittelalterlichen und des neuzeitlichen Bergbaus zu finden. Am Standort des sogenannten Schacht 1 steht noch das Stahlbetonskelett der ehemaligen Erzaufbereitung mit den Resten der technologischen Ausrüstung. Der Schacht selbst ist mit einer Betonplombe verwahrt.


    Abb.: Schwarzer Turm, Rest einer ehemaligen, gotischen Burg - Abb.: Mundloch des Erbstollen zum Heiligen Georg - Abb.: Ruine der Erzaufbereitung (1943)

    Vysoká Pec - Das ist heute ein kleiner Ort, der aus der Zusammenlegung zweier Ortschaften entstanden ist, Vysoká Pec und Rudné. In beiden Orten waren Bergbau und Hüttenwesen von großer Bedeutung. Eisenerz hat man hier schon vom 14. Jahrhundert an abgebaut. In der Grube "Heiliger Heronymus", heute eine große Binge, baute man Hämatit als sogenannten Blutstein vom 16. Jahrhundert an bis ins Jahr 1855 ab. Die Erze wurden vor Ort im Hochofen, daher der Name der Ortschaft, verhüttet oder nach Sachsen transportiert. Letzte Versuche zur Modernisierung des Abbaus sind aus der Zeit unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1918-1919) bekannt, endeten aber ergebnislos. Bis heute ist nur ein mäßig tiefer Stollen mit einem interessanten Profil erhalten geblieben. Im Rudné förderte man überwiegend Zinnerze, aus Seifen ausgewaschen, wie Überlieferungen aus dem Jahr 1556 zeigen.


    Abb.: Ortswappen
    Abb.: Ortsanlage als Streusiedlung

    Abb.: Gewölbe am Mundlochbereich

    Pøebuz - Dieser Ort gehört zu den bekanntesten Bergbaustandorten. Im Jahr 1553 wurde Pøebuz zu einer der ©likschen Bergstädte. Nach Halden und Kippen sowie den wasserwirtschaftlichen Anlagen (Kunstgraben) geurteilt, muß hier der Zinnerzabbau ein bedeutendes Ausmaß gehabt haben. Eine Krise gab es hier in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Nach dem Dreißigjährigen Krieg aber wuchs der Abbau wieder an, erreichte allerdings nicht das Ausmaß der Zeit davor. Im 18. Jahrhundert wurde ein weiterer Höhepunkt erreicht. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging hier der Bergbau ein. Im Jahre 1909 haben ausländische Investoren hier unternehmerische Untersuchungen angestellt. Nach der Feststellung, dass die hiesigen Erze einen ausreichend hohen Anteil vor allem an Zinnerz und Arsenkies enthielten, begann man mit der Förderung und der Verhüttung. Die Förderung entwickelte sich im Jahr 1939 stürmisch. Noch im Verlauf des Krieges wurde eine neue Aufbereitung gebaut. Angereicherte Zinnerze gingen zur Verhüttung nach Freiberg, angereicherter Arsenkies nach Goslar. Nach Kriegsende wurden nur noch Unterhaltungsarbeiten ausgeführt und 1948 wurden die Gruben aufgegeben. Bis heute blieben Reste übertägiger Gebäude vom Schacht und der Aufbereitung mit Anlagenteilen, der Förderturm des Hauptschachts und mächtige Halden erhalten.


    Abb.: Mundloch eines alten Stollens
    Abb.: Außergewöhnlicher Gebäudekomplex
    des Ottoschachts von 1947

    Abb.: Ruine der Tagesanlage des Hauptschachts aus den vierziger Jahren

    Bei Pøebuz gibt es einen Naturpark, der von einem ausgedehnten, erzgebirgischen Waldgebiet mit Hochmooren und seltenen Pflanzen auf Bergwiesen gebildet wird.

    Kraslice - Die Stadt erstreckt sich am Lauf des Flüßchens Svatava in der Nähe der sächsischen Grenze. Über den Paß von Kraslice führte einst eine alte Handelsstraße von den Ohøeniederungen nach Thüringen, der sogenannte "Goldene Erfurter Weg". Das Gebiet wurde schon im 12. Jahrhundert von Siedlern gemeinsam mit Mönchen des Zisterzienserklosters von Waldsassen erschlossen und besiedelt. Eine Bergbausiedlung wurde im 13. Jahrhundert angelegt. Sie bekam 1370 den Status einer Königlichen Bergstadt. Der Zinnerzabbau erlangte seine Blütezeit im 16. Jahrhundert. Dadurch wurde Kraslice 1567 zur Freien Bergstadt. Während des Dreißigjährigen Krieges wanderten die Protestanten über die Grenze aus und gründeten im benachbarten Klingenthal ein "Neugraslitz". Der Bergbau hatte sich gegenüber seinen Anfängen nicht besonders weiterentwickelt. Zu neuen Erwerbszweigen wurden statt dessen recht bald die Spitzenwirkerei, die Spielzeugproduktion und vor allem die Herstellung von Musikinstrumenten. Die machten die Stadt Kraslice weltberühmt. Die erste Mundharmonika und andere Blasinstrumente kamen aus Kraslice. Vom Jahr 1866 an verband eine Eisenbahnlinie die Stadt mit Sokolov und Klingenthal. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war für Kraslice geprägt von wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Stagnation. An die reiche Geschichte erinnern zahlreiche architektonische Denkmale. Dagegen gibt es keine Bauwerke aus der Zeit des Bergbaus, nur Spuren in der Landschaft. Zwischen Kraslice und Luby findet man das Felsgebilde des sogenannten "Vysoký Kámen" (Großer Stein), der unter Naturschutz steht. Er mutet wie eine Burgruine an. Auf ihm ist eine Aussichtsplattform eingerichtet.


    Abb.: Vysoký Kámen - Abb.: Blick auf Kraslice mit der Gottesleibkirche

    Rotava a ©indelová - Rotava entstand um Berg- und Pochwerke herum, die Eisenerz verarbeiteten und ist bereits ab 1543 erwähnt. Die Tradition der Eisenverarbeitung reicht bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. 1861 ging ein Walzwerk zur Erzeugung von Stahlprofilen in Betrieb und 1880 ein neues Blechwalzwerk und 1889 sogar ein neues Stahlwerk mit einem Martinofen. Das hier stehende Werk gehörte zu den ersten in Europa, die die Entwicklung zur Herstellung verzinkter Bleche vorangetrieben haben. Am Anfang des 20. Jahrhunderts war das Stahlwerk von Rotava das einzige in Österreich-Ungarn, das Bleche für Konservenbüchsen hergestellt hatte. Die ersten Erwähnungen von ©indelová stammen vom Ende des 15. Jahrhunderts. Im Jahr 1561 sind eine Schmelzhütte und drei Hammerwerke erwähnt. 1836 begann der Bau des größten Einsenwerks der Umgebung mit einem Hochofen, drei Hammerwerken, einer Verzinnerei, einer Gießerei, einem Walzwerk und einer Kernzieherei. Als Antrieb dienten drei Wasserräder und die zweitgrößte Dampfmaschine in Österreich-Ungarn. Hier wurden zwei Weltpatente eingeführt, das Verzinnen, später das Verzinken und das kontinuierliche Kernziehen. Hier wurde auch als erstes die Gießereischlacke zu Ziegeln verarbeitet. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel das Stahlwerk allmählich. Im Ort kann man heute noch die Ruine des Hochofen besichtigen, in dem von 1818 bis 1873 Eisen geschmolzen wurde. Sie steht unter Denkmalschutz. Vom ehemaligen Hütten- und Bergbaubetrieb gibt es noch heute in der Umgebung beider Orte Spuren in der Landschaft. Östlich von Rotava erstreckt sich ein geologisches Reservat mit einem Basaltfelsen in der Form einer steinernen Orgel.


    Abb.: Der Hochofen von ©indelová - Abb.: Hammerwerk im 16. Jahrhundert - Abb.: Steinerne Orgel (Basalt) bei Rotava


    Abb.: Schloß
    Jindøichovice

    Jindøichovice - In der Umgebung des Ortes baute man Blei-, Zinn,- Silber- und Eisenerze ab, die hier aufbereitet wurden. Von 1434-1627 gehörte der Ort den erfolgreichen Bergbauunternehmern ©lik, die ihn 1537 zur Stadt machten. Die Ortschaft hatte sich dann unter dem neuen Besitzer Nostitz ebenfalls gut entwickelt, dem die benachbarten Ländereien bis 1945 gehörten. Eine aus der Zeit der Renaissance stammende Burg wurde im 17. und 19. Jahrhundert zu einem prächtigen Schloß umgebaut, in dem sich heute das Staatliche Bezirksarchiv Sokolov mit Sitz in Jindøichovice befindet.

    Oloví - Wie es der Name schon sagt, war die Stadt am Flüßchen Svatava mit dem Bleierzbergbau verbunden. Bleierz wurde hier schon Mitte des 14. Jahrhunderts abgebaut. Von 1519 an befand sich der Ort im Besitz der Familie ©lik und von 1524 führte man ein Bergbuch. Im Jahre 1561 wurde sie in den Rang einer Königlichen Bergstadt erhoben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden der Abbau von Bleierz aufgegeben. In Oloví wurde im vergangenen Jahrhundert ein Erkundungsstollen aufgefahren, der alle Gangzüge im Grubenbereich am Studenec kreuzt. Aus fachmännischer Sicht handelt es sich hier um etwas einmaliges, weil die Gangzüge schrittweise abgebaut so wurden, wie man dazumal von Ost nach West auf sie stieß. Auf diese Art und Weise ist es möglich, Stollen zu sehen, die vom neuzeitlichen Bergbau nicht beeinträchtigt sind. Eine örtlicher Verein von Fachleuten sorgt für den Zugang zu diesem außergewöhnlichen Denkmal. Im Ort entwickelten sich erfolgreich Industriezweige wie die Herstellung von Perlmutknöpfen, Spitzen, Musikinstrumentenbau und Spielzeugherstellung und besonders die Glasindustrie (Herstellung von Flach- und Spiegelglas). Die Tradition in der Glasindustrie setzen ausländische Firmen fort.


    Abb.: Der Ort liegt an der Grenze zwischen Erzgebirge und Fichtelgebirge - Abb.: Blick auf das Zentrum - Abb.: Michaelskirche