• 2. Geographische und begriffliche Abgrenzung des Gebiets
  • 3. Bedeutung der erzgebirgischen Bergbauregion für Mitteleuropa
  • 4. Auswahl der Objekte und Beurteilung des Gebiets nach den Projektkriterien
  • 5. Aufbewahrung und Herkunft der Quellen zum Bergbau im böhmischen Erzgebirge
  • 6. Gemeinsamkeiten der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung auf beiden Seiten des Erzgebirges
  • 7. Einbeziehung von Partnern in die Arbeit am Projekt
  • 8. Ergebnis der Beurteilung und Empfehlungen
  • Anlagen
  • 8.1.1 Ausgewähltes Denkmal für die Aufnahme in das Verzeichnis der UNESCO


    Bezeichnung: Königliche Münze
    Lage, Ort: Jáchymov
    Bezirk: Karlovy Vary
    Anschrift: Námìstí Republiky, è.p. 37
    Registriernummer: 20110 / 4-838

    Kurzbeschreibung


    Abb.: Zeitgenössische
    Darstellung der Münzprägung

    Die ersten Taler wurden in den Kellern im Bereich des Schlosses Freudenstein oberhalb Jáchymov geprägt. Hier begann auch die Geschichte wertvoller Münzen, die nach dem Ort des Ursprungs, dem "Thal" bezeichnet wurden, Joachimsthaler Groschen, Thaler, Tolar. Den ©likschen Münzen verdankt selbst der heutige Dollar seinen Namen. Das Gebäude der ©likschen Münze stand an der Stelle der späteren Königlichen Münze, neben dem Haus des Heronymus ©lik, dem heutigen Rathaus. Das Schliksche Haus bildete gemeinsam mit der Münze einen gut schützbaren Komplex.


    Abb.: Beide Seiten des Joachimsthaler Talers

    Bis 1528, als die Münzeara ©lik zu Ende ging, waren hier 3,25 Mio. Taler und 22 Mio. Prager Groschen geprägt worden. Von 1528 an gehörte die Münze dem böhmischen König Ferdinand l. Sie begann als staatliche Münze den Herrschaftlichen Taler zu prägen. Das Betreiben der ©likschen Münze durch königliche Beamte war nicht einfach. So wurde 1532 entschieden, ein neues Münzgebäude zu errichten.

    Ferdinand l. kam 1534 persönlich nach Jáchymov, um sich das bis dato noch nicht fertiggestellte Gebäude der Münze anzusehen. Es wurde im Jahr 1536 vollendet und war finanziert aus dem Gewinn des Herrscherhauses.

    Nach 1547 wurde das Münzgebäude Sitz weiterer königlicher Bergverwaltungen. Im 17. Jahrhundert verlor das Münzprägen im Zusammenhang mit einem Rückgang des Silberbergbaus an Bedeutung. Im Jahr 1671 stellte die Münze ihren Betrieb ein. Sie hatte in der Zeit ihres Bestehens dem Böhmi-schen Königreich neue Münzen gebracht. Mit ihrem Wirken verbunden ist die Herstellung bedeutender Renaissancemedaillen, aber vor allem war sie über lange Jahre die finanzielle Stütze der Staatskasse. Das Objekt Münze ist uns in seiner gesamten Bausubstanz erhalten geblieben und stellt mit seinen zwei Innenhöfen das umfangreichste in der Stadt dar. Es ist heute ein Denkmal der 1. Kategorie. Es beherbergt das Museum.

    Historischer Kontext und Beziehung zu anderen Denkmalen

    Die ehemals kleine Ansiedlung entwickelte sich dank Silberfunden in den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts zu einer der bevölkerungsreichsten Städte des Königreichs. Zu den Schätzen der Stadt zählen heute wertvolle Gebäude (z.B. das Rathaus, Bürgerhäuser aus dem 16. Jahrhundert, Die Kirche des Heiligen Joachim, die Spitalskirche Aller Heiligen, die Kapelle der Heiligen Barbara, allesamt in der staatlichen Denkmalsliste erfaßt unter jeweils eigener Registriernummer). Von den Bergbaudenkmalen sind erhalten die Erzgrube Svornost (Registriernummer 42101 / 4-864) und eine Reihe weiterer Zeugen der über 500jährigen Geschichte, reiche museale Sammlungen und Material in Archiven. Interessant ist das Umfeld der Stadt in dem engen erzgebirgischen Tal.


    Abb.: Stadtansicht aus der Vogelperspektive - Abb.: Platz der Republik mit Rathaus und Bürgerhäusern - Abb.: Burg Freudenstein heute

    Oberhalb der Stadt liegt die Ruine der ©likschen Burg, Burg Freudenstein, die zum Schutz der Silbererzgruben errichtet worden war und in der sich die erste Münze befand. Sie war 1525 bei einem Bergarbeiteraufruhr niedergebrannt und 1639 von den Schweden geschliffen worden. In Jáchymov wirkte seinerzeit als Arzt der bedeutende Wissenschaftler und Humanist G. Agricola. Er ist Verfasser der "Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen" (1556), die in der damaligen Zeit als Standardwerke für diese Fachgebiete galten. An den Stadtgründer, Graf ©tìpán ©lik erinnert ein Denkmal im Park. Die Mathesiusstraße gleich an der Dekanatskirche und der Mathesiussaal in der evangelischen Kapelle in der Münzstraße weisen auf eine weitere Persönlichkeit hin, den ersten Jáchymover Kronisten und lutheranischen Prediger J. Mathesius, ein Schüler Luthers. Im Kurpark befindet sich ein Denkmal der Eheleute Curie, dank deren Entdeckungen hier 1906 das erste Radiumheilbad gegründet wurde. Die historische Bergstadt wandelt sich heute zu einem Kurort, dessen Entwicklung durch den zweiten Weltkrieg und den sich in der Folge bis 1966 drastisch breitmachenden Uranabbau einen heftigen Rückschlag erlebte. Jáchymov ist dabei, seinen Ruf als Kurort wiederzugewinnen. Zu den bekanntesten Kureinrichtungen gehören der Radiumpalast (1912, Denkmalsregister-Nr. 10255 / 4-4928) sowie die Badehäuser Ak. Bìhounek (1975) und Curie (1992).

    In Jáchymov findet man für das Projekt Montanregion einen Ort von europäischer Bedeutung. Mit den Vorhaben der Stadt und den Initiativen von Fachgruppen sowie Bürgerinitiativen wird die Stadt zu neuem Leben erweckt und zeigt ihr außerordentliches historisches, montanistisches, geologisches und mineralogisches Potential.


    Abb.: Lage der Stadt Jáchymov innerhalb der Montanregion