
| Bezeichnung: | Mariahilf-Stollen |
| Lage, Ort: | Mìdìnec |
| Bezirk: | Ústí nad Labem |
| Anschrift: | Karlovarské pøírodovìdné sdru¾ení Goethe, Divadelní nám. 2036, Karlovy Vary |
| Registriernummer: | zur Zeit noch nicht registriert |

Eine eindrucksvolle runde Erhebung oberhalb von Mìdìnec ist der Mìdník mit 809 m NN, der soge-nannte Kupferhügel. Er ist aus geologischer Sicht sehr interessant, weil er Gneiswrasen zeigt. Die gesamte Erhebung ist von Stollen und Schächten durchzogen, die vom Jahr 1449 an rißkundig sind. Der Bergbau begann hier jedoch schon lange vorher. Auf dem Mìdník steht eine weithin sichtbare Kapelle aus dem Jahr 1674, eine sogenannte Rotunde. An einem Abhang des Mìdník wurde 1910 der Mariahilf-Stollen mit seiner "Malachithöhle" zugänglich gemacht, die eine absolute touristische Attraktion darstellt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Stollen geschlossen und erst 1994 für zwei Jahre wieder zugänglich gemacht. Seit 2005 bereitet man die Wiedereröffnung im Jahr 2007 vor. Seine Länge wird 280 m betragen und von ihm aus führen Abzweigungen in Abbaukammern unterschiedlicher Größe. Die größte hat eine lichte Höhe von 8 m und eine Grundfläche von 8 x 10 m. Die Erze lagen hier nicht in Adern, sondern in Linsen und unregelmäßig geformten Nestern, die die Bergleute selektiv abbauten.
Es entsteht hier ein bedeutender Besuchermagnet, der den Bekanntheitsgrad dieser außergewöhnli-chen Kulturlandschaft erhöhen wird. In der Umgebung befinden sich weitere Zeugen intensiver Berg-bautätigkeit (ein Eisenerzbergwerk aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Halden, Bingen und Schächte). Sehr beliebt ist der Ausblick über die vorerzgebirgischen Becken hinweg auf die Kette der Doupovské vrchy (Duppauer Gebirge), das Böhmische Mittelgebirge und die Hochebene von D¾bán. Mìdìnec gehört aus bergmännischer, geologischer, baukultureller und landschaftlicher Sicht zu den für das Projekt Montanregion geeigneten Gebieten.

Der Abbau von Silber- und Kupfererzen am Mìdník und seiner weiteren Umgebung bis zu den Orten Horní und Dolní Hal¾e sowie Údolíèko und in Richtung Kováøská ist seit Mitte des 15. Jahrhunderts belegt. Seit dem 16. Jahrhundert baute man auch Eisenerze am Krevel bei Horní Hal¾e ab. Die Bergstadt Mìdìnec wurde im Jahr 1520 um einen langgestreckten Marktplatz herum mit einem rechtwinkligem Straßennetz angelegt. Zur Erzgewinnung betrieb man hier noch die Erzaufbereitung. Im Jahr 1540 arbeitete hier eine Vitriolhütte zur Aufbereitung von Chalkopyriten und Pyriten, aus denen man grünes und blaues Vitriol herstellte. 1588 wurde Mìdìnec in den Rang einer Bergstadt erhoben und 1616 für die Dauer von 12 Jahren zur Königlichen Bergstadt erklärt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt stark zerstört und nachdem sie 1640 niederbrannte, fiel sie in die Bedeutungslosigkeit eines Dorfes zurück.

Zum Ende des 17. Jahrhunderts entwickelte sich der Ort wieder im Zusammenhang mit der Herstel-lung von Vitriol und dem Eisenerzabbau. Nach Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Abbau von Kupfererzen zusammen mit dem Betrieb der Vitriolhütte eingestellt. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts suchten die Bewohner andere Erwerbszweige. Man befaßte sich mit Spitzenklöppelei, Herstellung von Strickwaren, Spielzeugherstellung, Zwirnerei, Uhrenbau und Posamentenwirkerei. Nach dem Jahr 1945 wurde der Ort und der gesamte Landstrich entvölkert und zerstört. Zu einer durchgängigen Stabilisierung kam es durch die Entdeckung von Eisenerz-vorkommen (Magnetit) und den Beginn des Abbaus in einem neuen Bergwerk im Jahre 1967. Das wurde bis 1992 betrieben. Durch den Abbau wurden 850.000 t Eisen, aber auch 325 kg Kupfer und 800 kg Silber gewonnen. Das war sicher das letzte Buntmetall, was im Erzgebirge gewonnen wurde, denn die Gruben von Cínovec wurden bereits 1991 geschlossen.
Nach Einstellung der Eisenerzförderung wurde in diesem Bergwerk noch etwa drei Jahre lang Muskovit-Glimmerschiefer abgebaut und während dieser Zeit war es für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Grube ist heute verwahrt und geflutet. Eine touristische Nutzung dieses letzten Zeugen des Erzberg-baus im Böhmischen Erzgebirge wäre eine Bereicherung des Angebots für das Projekt Montanregion. Im Ort gibt es ein kleines Museum und einige erhaltene Denkmale - Die Kirche Maria Geburt, das Rathaus und Bürgerhäuser, die eine zusätzliche Haustür im ersten Stock haben und somit selbst bei extremen Schneehöhen zugänglich sind (alles in diesem Sinne umgebaut nach dem Stadtbrand von 1856). Südlich des Ortes befindet sich eine Felsbildung, die Sphinx, die durch Frostverwitterung des Gneises entstanden ist (steht unter Naturschutz).

Mìdìnec gehört mit seiner Kulturlandschaft zu den potentiellen Gebieten für die Einbeziehung in das Projekt Montanregion. Nach der Öffnung des Mariahilf-Stollens plant die Naturschutzvereinigung Goethe mit Sitz in Karlovy Vary den Aufbau eines Freilichtmuseums mit weiteren Präsentationen zur Bergbaugeschichte, mit einen Geopark (regionale Gesteinsvorkommen) und mit zwei Lehrpfaden.
