
| Bezeichnung: | Kunstgraben von Horní Blatná |
| Lage, Ort: | Horní Blatná |
| Bezirk: | Karlovy Vary |
| Anschrift: | Obecní úøad, Námìstí Sv. Vavøince 1 |
| Registriernummer: | 21605 / 4-4149 |
Der Abbau und die Aufbereitung von Erzen verbrauchten ständig große Mengen an Wasser. Das wurde für die Erzwäsche und als Aufschlagwasser für den Betrieb der Erzaufbereitung und der Kunstgezeuge in den Gruben eingesetzt. Weil die Umgebung von Horní Blatná nicht über die benötigten Wassermengen verfügte, mußte es künstlich herangeführt werden. Dazu wurde in den Jahren 1540 bis 1554 ein Kunstgraben von 12 km Länge von Bo¾í Dar aus bis Horní Blatna angelegt. Er sammelte vor allem Wasser aus den Mooren um Bo¾í Dar (heute ein Naturreservat) und aus dem Quellgebiet des Flüßchens Èerná. Der Graben wurde ausgemauert oder mit Holz ausgekleidet. Zur Regulierung sind Wehre, Schützen, Überläufe und Ableitungskanäle eingebaut. Der Graben kreuzt Wege und Bäche mittels Brücken und Durchlässen. Zur ordnungsgemäßen Kontrolle und zur Nutzung sind um den Graben herum Dämme aufgeschüttet, wurden Fichten zum Schutz gegen Schneeverwehungen angepflanzt oder der Graben war mit Brettern abgedeckt. Entlang des Grabens waren Pochwerke errichtet, Hütten, Erzwäschen und Gräben, die zu den Kunstgezeugen der Bergwerke führten. Der Graben stand unter einem Rechtsschutz, denn die Betreiber aus Horní Blatná vererbten die Nutzungsrechte. Das Gebiet wurde mit Grenzsteinen gekennzeichnet die den Buchstaben "E" trugen für Erbwassergraben.

Im 20. Jahrhundert verlor der Graben seinen Zweck und nach 1945 wurde er lange Zeit vernach-lässigt. Seit 1980 aber ist er zum kulturellen Flächendenkmal erklärt, aber sein Zustand war von Verfall gekennzeichnet. Der notwendige ökologische Schutz der Trinkwassereinzugsgebiete führte in den Jahren 1996 - 2001 zu einer generellen Instandsetzung des Grabens auf seiner gesamten, ursprünglichen Länge. In diesem Zuge wurde ein Lehrpfad mit insgesamt 23 Stationen angelegt. Seither ist es das meistbesuchte Denkmal seiner Art.
Die Bergstadt Horní Blatná wurde im Jahr 1532 von sächsischer Herrschaft wegen reicher Zinnerzla-gerstätten gegründet. Sie hat einen heute noch erhaltenen Renaissancegrundriß mit einem langgestreckten Marktplatz und einem rechtwinklig angelegten Straßennetz. 1547 ging das Gebiet wieder an Böhmen und ein Jahr später wurde die Stadt in den Stand einer Königlichen Bergstadt erhoben und dem Jáchymover Bergamt unterstellt. Ihre Umgebung ist von einer großen Dichte von Zinngruben gekennzeichnet, von Erzaufbereitungen und Hüttenbetrieben, deren Spuren heute noch gut ausgemacht werden können (Zinnseifenwäschen, Gruben, Stollen, Halden). Der Bergbau wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts eingestellt. Vom 18. Jahrhundert an ging man bereits zur Glasherstellung, zur Verzinnung von Blechgeschirr, zur Spitzenherstellung und zu Handschuhwirkerei über.

Die denkmalsgeschützte Zone der Stadt, das Museum, ein Aussichtsturm auf dem Blatenský vrch (1043 m NN), der mittelalterliche Kunstgraben und tiefe Gruben und Aushübe zur Zinnergewinnung sind Bestandteile des Bergbaulehrpfades Horní Blatná - Vlèí jámy, der Aufschluß gibt über die Geologie, den Bergbau, die Geschichte und Ökologie der umgebenden Landschaft. Die markantesten Zeugnisse des Zinnerzabbaus sind die Eis- und die Wolfsgruben (Ledové und Vlèí jámy), Bingen ehemaliger untertägiger Bergwerke, die heute eher das Aussehen einer Natur-erscheinung haben. Das Technische Denkmal des Blattener Kunstgrabens stellt die Verbindung zu einem weiteren bedeutenden Bergbaugebiet her, zu Bo¾í Dar, in dessen Hochmoor er seinen Anfang nimmt. Dieser Ort ist 1533 unter gleichen Voraussetzungen gegründet worden wie Horní Blatná und gehörte kurze Zeit zu Sachsen. Im Jahr 1546 wurde er zur Freien Bergstadt und 1580 wurde er von den böhmischen Herrschern in den Stand einer Königlichen Bergstadt erhoben.
In seiner Umgebung wurden insbesondere Zinnerze, aber auch Silber-, Eisen-, Kobalt-, Arsen- und Wismuterze und an nichtmineralischen Rohstoffen vor allem Torf abgebaut. Der Dreißigjährige Krieg und die Abwanderung von Bergleuten in der Zeit der Gegenreformation führte zu einem Niedergang des Abbaus. Der Ort, wie alle Bergstädte und -dörfer im Erzgebirge, erlebte Aufschwünge und Niedergänge. Letztendlich wurde der Bergbau hier am Ende des 19. Jahrhunderts eingestellt. Die Bewohner mußten sich auf andere Erwerbszweige umorientieren oder mußten ihren Lebensunterhalt andernorts suchen. Bo¾í Dar ist heute ein bedeutendes Zentrum für Wintersport und Touristik mit einem Grenzübergang für PKW nach Sachsen. Es ist das höchstgelegene Städtchen Mitteleuropas (1.028 m NN), das sich direkt vis-a-vis des Klínovec, des Keilbergs, mit 1.244 m NN des höchsten Bergs des Erzgebirges ausbreitet. Der Ort verfügt über einige Baudenkmale - das denkwürdige Gasthaus Zelený dùm (Grünes Haus) aus dem 16. Jahrhundert, die Annenkirche von 1772, das Rathaus von 1844. Das wird ergänzt durch gut sichtbare Spuren des ehemaligen Erzbergbaus. Das sind am Bach Èerná die umfangreichsten Belege von Zinnwäschen in ganz Böhmen und die Zinnerzlagerstätte am Zlatý kopec mit dem Dreikönigsstollen und der Grube Rudolf, die 1533 durch die Zusammenlegung von 12 einzelnen Gruben entstanden ist. Die bergbauliche Vergangenheit ist im örtlichen Museum dargestellt. Bo¾í Dar ist zudem Geburtsort des erzgebirgischen Liedermachers und Schriftstellers Anton Günther (1876-1937), der in seinen Werken die erzgebirgische Mundart pflegte. Auf dem hiesigen Friedhof wird sein Grab noch immer in Ehren gehalten. Bis heute ist er eine populäre Persönlichkeit im gesamten Erzgebirge.
