• 2. Geographische und begriffliche Abgrenzung des Gebiets
  • 3. Bedeutung der erzgebirgischen Bergbauregion für Mitteleuropa
  • 4. Auswahl der Objekte und Beurteilung des Gebiets nach den Projektkriterien
  • 5. Aufbewahrung und Herkunft der Quellen zum Bergbau im böhmischen Erzgebirge
  • 6. Gemeinsamkeiten der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung auf beiden Seiten des Erzgebirges
  • 7. Einbeziehung von Partnern in die Arbeit am Projekt
  • 8. Ergebnis der Beurteilung und Empfehlungen
  • Anlagen
  • 8.1.6 Ausgewähltes Denkmal für die Aufnahme in das Verzeichnis der UNESCO


    Bezeichnung: Erzlagerstätte von Pøebuz
    Lage, Ort: Pøebuz
    Bezirk: Karlovy Vary
    Anschrift: Obecní úøad Pøebuz, èp. 7
    Registriernummer: Rudný dùl 52461 / 4-701 a okolí

    Kurzbeschreibung

    Die Erzlagerstätte in der Nähe des Flüßchen Rolava zeichnete sich durch ihren Reichtum an Zinn-erzen aus, enthielt aber auch Eisenerze sowie Mangan-, Arsen- und Uranerze. Im 14. Jahrhundert wurde Zinnerz tagesnah in Zinnseifenwäschen gewonnen. Der Übergang zum untertägigen Bergbau erfolgte um die Wende von 15. zum 16. Jahrhundert. Der Höhepunkt der Förderung wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erreicht. Das war ein Verdienst derer von ©lik. Zu einem Niedergang des Zinnerzabbaus kam es wenig später am Ende 16. Jahrhunderts. Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts baute man wieder erfolgreich ab mit Unterstützung durch die Nostitzer Privilegien. Alle Stollen wurden zu Erbstollen (z.B. Elisabeth-Erbstollen). Alle Gruben waren um den Hartelsberg herum konzentriert, das sogenannten Zechengebirge. Dort gibt es auch die meisten Belege für die bergmännische Tätigkeit. 1815 wurde der Bergbau um Pøebuz eingestellt. Vor dem Ersten Weltkrieg war bei Untersuchungen eine neue Zinn- und Arsenerzlagerstätte entdeckt worden und man begann mit deren Abbau. Die letzten großen Investitionen wurde während des Zweiten Weltkriegs getätigt (Einführung moderner Maschinentechnik, Verwirklichung des Projekts einer zentralen Förderung in der sogenannten Hauptgrube, Errichtung einer neuen Freifallklassierung und anderes). Dazumal gehörte das Bergwerk dem deutschen Betreiber "Gewerkschaft Zinnwalder Bergbau Altenberg" und das angereicherte Zinnerz wurde zur Verhüttung nach Freiberg, das angereicherte Arsenerz nach Goslar gebracht.


    Abb.: Gelände der ehemaligen
    Grube Otto mit Halden
    und der Ruine der Aufbereitung

    Nach Kriegsende ging das Unternehmen nach und nach im volkseigenen Betrieb Jáchymover Gruben auf. Der Abbau wurde 1947 eingestellt. Die Gruben verwaisten und die Ausrüstung wurde demontiert. Heute sind nur noch Überbleibsel des Fördergebäudes und des Förderturms des Hauptschachts und das Betonskelett der Aufbereitung mit Resten der maschinellen Ausrüstung vorhanden. Die Pøebuzer Erzlagerstätte läßt umfangreiche Spuren des mittelalterlichen und neuzeitlichen Berg-baus erkennen. Von den neuzeitlichen sind Überbleibsel der letzten Zinnaufbereitung zu sehen, die in den Kriegsjahren von 1940-45 in Rolava aufgebaut worden ist. Es sind Reste des Schachts und Teile eines Häftlingslagers.


    Abb.: Alter Bruch am
    Hartelsberg

    Zu den mittelalterlichen Zeugnissen gehören vor allem die Seifenwäschen entlang des rechten Ufers der Rolava ("Große Wäsche" bei der ehemaligen Ortschaft Chaloupky) und am rechten Ufer des Jelení potok (Hirschbach) aus dem 16. Jahrhundert. Weitere Seifenwäschen sind deutlich zu sehen an der Straße nach Støíbrná und Chaloupky, in der Nähe direkt am Elisabeth-Erbstollen. Auf dem Èertova hora (Hartelsberg) gibt es die sogenannte Bingenreihe, das sind tiefe Einbrüche im Gelände, die ihren Ursprung im darunterliegenden Zinnabbau haben.

    Nördlich von Pøebuz gibt es einen Kunstgraben aus der Mitte 16. Jahrhundert, den sogenannten Erbgraben. Er hat eine Länge von 5,5 km. Er führte Wasser aus der Umgebung von Luèiny über die ehemalige Ortschaft Rolava um die Höhe Smrèina herum zu den Zinnwäschen und Pochwerken in Pøebuz. Vom Flüßchen Rolava kam von Chaloupky aus ein 11 km langer Kunstgraben, der Wasser an die Wäschen und Pochwerke um Rudné (gelegen zwischen Pøebuz und Nejdek) heranführte. Man zählt ihn zu den längsten Kunstgräben des Erzgebirges. Beide Gräben sind erstrangige Denkmale des Bergbaus des 16. Jahrhunderts.

    Historischer Kontext und Beziehung zu anderen Denkmalen

    Der Ort Pøebuz ist als Bergbauansiedlung wahrscheinlich schon 1347 gegründet worden. Im 16. Jahr-hundert wurde das Gebiet zum Eigentum der ©liks. Die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 1542. 1553 bekam der Ort das Bergrecht und wurde zur Stadt. Im Jahr 1556 wurde hier ein Bergamt eingerichtet, das dem Jáchymover Bergamt unterstand. Eine bemerkenswerte Persönlichkeit war der Pøebuzer Pfarrer Daniel J. l. von Mayern, der eines Tages Erzbischof in Prag wurde. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts führte er in der Umgebung den Anbau von Kartoffeln ein. Heute ist der Ort, der kaum mehr als 75 Einwohner zählt, vor allem als Erholungsgebiet bekannt. In seiner Umgebung wurde 1992 ein "Naturpark Pøebuz" ausgerufen. Es gehören dazu die Naturreser-vate "Velké a Malé jeøábí jezero", Velký a Malý moèál" und "Pøebuzské vøesovi¹tì" ("Großer und Kleiner Kranichsee", der sich über die Grenze nach Sachsen erstreckt, "Großer und Kleiner Sumpf" und "Pribuser Heide"). Etwa 10 km südlich von Pøebuz liegt die Stadt Nejdek, deren Bergbaugeschichte eng mit der von Pøebuz durch zum Beispiel den Zinnerzabbau, die Zugehörigkeit zum ©likschen Eigentum und ein vergleichbares Schicksal der Bevölkerung verbunden ist. Außer Zinnerz hat man hier auch Eisenerz abgebaut, weshalb man Hütten- und Hammerwerke in der Umgebung errichtet hatte. In Nejdek, Ortsteil Vysoká Pec (Hochofen), arbeitete in den Jahren 1953-1964 eine chemische Aufberei-tungsanlage für Uranerz. Das Gebiet ist rekultiviert worden, aber es gibt die bekannten Altlasten, Abwasserkanäle und Halden über den Schachtanlagen. Die Bergbautradition ist im Volkskundlichen Museum des Erzgebirges in Nejdek dokumentiert.


    Abb.: Pribuser Heide - Abb.: Betonskelett der Erzaufbereitung von Rolava - Abb.: Exponat im Museum von Nejdek


    Abb.: Lage von Pøebuz innerhalb der Montanregion